Es geht um demokratische Rechte wie um die Verknotung von demokratischen und sozialistischen Forderungen: keine Demokratie ohne Sozialismus, kein Sozialismus ohne Demokratie.

Wer sagt solche ketzerischen Worte in der Tradition von Rosa Luxemburg? Wer ist Günter Berkhahn? Er war Mitglied der KPD und hoher Kommandeur in den Internationalen Brigaden in Spanien. Das „Dritte Reich“ entriß ihm die Staatsbürgerschaft und bis heute hat ihn die Bundesrepublik noch nicht als Widerstandskämpfer anerkannt. Als er 1950 aus dem Exil zurückkehrte, war man in Deutschland schon wieder dabei zu vergessen. Seine ungesicherte „Gnadenrente“ ist dementsprechend. Die Absurdität der Geschichte besteht darin: wenn er sich der Moskauer Linie gebeugt hätte, so wäre er ohne finanzielle Sorgen und auf „angemessener“ Stelle in der DDR oder der Sowjetunion. Dafür hätte er aber seine eigene Erfahrung verraten, auf deren Verarbeitung verzichten müssen – dazu war er nicht bereit. Darum ist der „Offene Brief“ an den alten tschechoslowakischen Kampfgefährten Kriegel, einen der Wortführer der Charta ’77, nicht verwunderlich – er ist Beweis ungebrochener Kontinuität des demokratischen und sozialistischen Standpunktes – ich hoffe: ein Beispiel für jüngere Generationen.