Das leerstehende Freizeitzentrum soll einem Versicherungsgebäude weichen

Wir streben zwar nicht gerade den Kulturpreis der Stadt München an“, witzelte der Pressesprecher der Winterthur-Versicherung, Norbert Poth, „aber wir leisten gern einen Beitrag, daß das Ding wegkommt.“ Im Münchner Rathaus am Marienplatz ist man noch ungläubig: „Es ist zu schön, um wahr zu sein.“

Das Ding, das weg soll, ist ein Gebäude: das für rund 180 Millionen und Ende 1974 mit viel Pomp und hochgespannten Erwartungen eröffnete Freizeitzentrum „Schwabylon“. Es soll einem Neubau der Schweizer Versicherungsgruppe Winterthur weichen. Seit über drei Jahren steht der Bau an der Münchner Leopoldstraße, knapp einen Kilometer nördlich vom Herzen Schwabings entfernt, leer.

Die Winterthur will dorthin ihre Deutschland-Direktion verlegen. Sie verhandelt mit der Gesellschaft des „Fonds 2001“, der Schwabylon-Besitzerin, und ihrer Treuhandkommanditistin Hessische Landesbank Girozentrale in Frankfurt über einen Kauf des Areals und einen Neubau, der an der Stelle des häßlichen und nutzlosen „Panzerkreuzers Schrott“ (so eine Münchner Boulevardzeitung) treten soll.

Mit dem Projekt „Schwabylon“ haben sich eine ganze Reihe Leute heillos verspekuliert: allen voran der Schwabylon-„Erfinder“, der Augsburger Landmaschinenhändler und Baulöwe Otto Schnitzenbaumer, der sich goldene Berge von der Mixtur aus Bürohaus, Shopping-Center, Sport- und Vergnügungsstätte mitsamt „Holiday Inn“-Hotel versprach; dann die Manager der Hessischen Landesbank, die alle Warnungen in den Wind schlugen und neben der Verantwortung für die Fonds-Gesellschaft auch den größten Teil der über 80 Millionen Mark Hypotheken beisteuerten; weiter die 5500 gutgläubigen Anleger, die im ganzen 72 Millionen Mark aufbrachten; und nicht zuletzt der Schweizer Star-Architekt Professor Justus Dahinden, der den klotzigen Pop-Container mit seiner absolut unmünchnerischen Atmosphäre entworfen und damit solch spektakulären Schiffbruch erlitten hat.

Bereits wenige Monate nach der Eröffnung breitete sich in Schwabylon Kater- und Katastrophenstimmung aus, und der Pleitegeier, den die vorsichtigen Münchner Banker von Anfang an über dem Vorhaben schweben sahen, ließ sich darauf herab. Die Geschäfte schlossen, die Restaurants machten dicht, Eisbahn und Schwimmbad ebenfalls. Der „Jahrmarkt des Lebens“ verkam zur tristen Geisterstadt.

Der von Milliardenverlusten und Skandalen geschüttelten Helaba blieb nichts anderes übrig, als den Fonds-Zeichnern, von denen einige bereits vor den Kadi gegangen waren, entgegenzukommen und ihnen auch weiterhin bis Ende 1983 den versprochenen Zins von 6,5 Zins zu garantieren sowie die Rückzahlung zum Einstandspreis zuzusagen. Wer sein Geld gleich haben wollte, bekam es abgezinst – mit einem gewissen Abschlag – sofort wieder. Rund 22 Millionen Mark sind so bisher zurückgezahlt worden.