Plop-plop, fizz-fizz, ob what a relief it is", singen die beiden verkaterten Saufkumpane Tag für Tag im amerikanischen Fernsehen: "Oh, was für eine Erleichterung" bringt ihnen, natürlich, die Brausepille Alka-Seltzer.

Das plop-plop, fizz-fizz ist schon derart in amerikanische Gehirne eingehämmert, daß der sprudelnde Kater-Erlöser auf Reklameschildern – etwa in der New Yorker U-Bahn – gar nicht mehr beim Namen genannt zu werden braucht: "Push-push, pull-pull, stop-stop, stall-stall, plop-plop, fizz-fizz, fast-fast" wird da der Streß des Berufsverkehrs und seine anschließende Bewältigung mit Hilfe der Brausepille auf Alka-Seltzers Doppelwortsprache eingedampft, und jeder weiß, was gemeint ist.

Weniger lustig geht’s in der – ebenfalls allgegenwärtigen – US-Fernsehwerbung für Aspirin und aspirinähnliche Schmerzmittel zu. Dafür klotzen die Konzerne für ihre Kopfweh-Killer mit groben Vergleichen: Bufferin hat da soundsoviel mehr magischen Anti-Schmerzwirkstoff als Anacin und Bayer-Aspirin – und umgekehrt.

Das Klotzen lohnt offensichtlich. Denn der Markt der frei verkäuflichen Schmerzmittel, die zumeist auf dem Asperinwirkstoff Acetylsalicylsäure – dazu gehört auch Alka-Seltzer – basieren, bringt in den USA jährlich rund 1,7 Milliarden Mark Umsatz. Anders als in der Bundesrepublik wird dieser Umsatz nicht ausschließlich in Apotheken gemacht, sondern vor allem in Drugstores und Supermärkten. Dort stehen "Mutters kleine Helfer" regalweise zur Selbstbedienung zwischen Kaugummi und Badeseife. Allein der Alka-Seltzer-Hersteller Miles Laboratories verkaufte in 40 Jahren bisher 80 Milliarden Stück seiner Brausetabletten.

Diese amerikanische Freiheit soll nun etwas eingeschränkt werden – vorausgesetzt, die Vorschläge einer Beratungskommission der amerikanischen Regierung werden von der zuständigen Lebens- und Arzneimittelbehörde FDA in Vorschriften umgesetzt.

Seit 1972 hatte die Kommission die beiden wichtigsten schmerzlindernden Mittel Aspirin und Acetaminophen studiert und sie jetzt in ihrem Report als sicher und effektiv für "die zeitweilige Linderung von schwächerem Schmerz und die Abschwächung von Fieber", befunden. Nichts Aufregendes also, denn immerhin ist Aspirin seit 1899 als recht sicheres Mittel gegen eine ganze Reihe von Beschwerden bekannt – vom Kopfweh über Rheuma und Arthritis bis hin zur Verhinderung von Blutgerinnseln (und damit zur möglichen Vorsorge vor Herzinfarkten, wie eine jetzt angelaufene 17-Millionen-Dollar-Studie in den USA herausfinden soll).

Es ist freilich gerade diese Vielzahl der segensreichen Aspirinwirkungen, die nun die US-Schmerzmittelkommission zu mehr Vorsicht rufen läßt. Auf den frei verkäuflichen amerikanischer Aspirin-, (Bufferin-, Anacin- usw.) Packunger. steht nämlich, wahrheitsgetreu, daß die Pillen nicht nur Kopfweh und Migräne, sondern auch die Schmerzen bei Arthritis lindern können, Dies aber, so argumentiert die Kommission, könnte Konsumenten dazu verführen, ihre Gicht mit den Pillen aus dem Laden um die Ecke selbst zu kurieren – oder aber eine andere Krankheit fälschlicherweise als gängiges Kopf- oder Leibweh zu diagnostizieren. Ohne vorherige Konsultation eines Arztes kann eine solche Selbstkur zu "nicht wiedergutzumachenden Schäden an Gelenken und anderen Geweben" führen.