Von Nina Grunenberg

Kiel

Es war schon lange das gleiche garstige Lied beim NDR: Die CDU rügte den Intendanten "wegen politischer Unausgewogenheit", die SPD rügte die CDU "wegen politischer Willkürakte". Der Intendant zog vor die Gerichte, um sich dort das Recht zu holen, das ihm die Parteien freiwillig nicht mehr gaben. Und dem Redakteursausschuß blieb nichts anderes übrig, als sich wieder einmal seine "schlimmsten Erwartungen bestätigen" zu lassen.

Dieses heillose Lamento wurde am 14. Juli durch die Kündigungsandrohung von CDU-Ministerpräsident Gerhard Stoltenberg abrupt unterbrochen. Der Schritt kam unerwartet. Zwar hatten Politiker anderer Couleur insgeheim schon ähnliche Überlegungen angestellt: Sowohl die Hamburger FDP wie auch die schleswig-holsteinische SPD, beides Landesverbände, die innerhalb ihrer Parteien am linken Rand angesiedelt sind, haben bereits über Änderungen in der Struktur der Drei-Länder-Anstalt beraten; aber niemand bei der SPD in Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen – die FDP hat beim NDR nicht viel zu melden – hat beizeiten geschaltet, daß es Stoltenberg mit seinem Zorn gegen den NDR genauso ernst meinte, wie er spätestens seit den Demonstrationen von Brokdorf nicht aufhörte zu sagen.

Nun ist guter Rat teuer, und wo er herkommen soll, weiß niemand. Ernst Albrecht, CDU-Mininisterpräsident von Niedersachsen, – hält sich zurück, wobei ihm ein Urlaub in der Steiermark zu Hilfe kommt. Eigenständige rundfunkpolitische Gedanken sind in Hannover aber auch sonst rar.

Hans-Ulrich Klose, als Erster Bürgermeister Hamburgs der dritte im Bunde der für den NDR zuständigen Länderchefs, scheint ebenfalls noch nicht verstanden zu haben, daß die Krise des NDR "die Grundidee des öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems zur Diskussion" stellt (Peter Christian Hall in "medium"). Fürwahr, die Fahrlässigkeit, mit der sowohl SPD wie CDU den NDR behandeln, grenzt ans Abenteuerliche.

"Plätzen" lassen will auch Gerhard Stoltenberg den NDR nicht. Mit der Drohung vom letzten Donnerstag will er nur erreichen, was ihm seiner Ansicht nach schon immer zugestanden hatte, aber vom NDR versagt wurde: eine faire Behandlung. Eklatant verletzt sah er sie zuletzt durch die Brokdorf-Berichterstattung des NDR.