Der offizielle Titel: Tour de France et d’Europe“. Die Organisatoren, die Sportzeitung L’Equipe und die Tageszeitung Le Parisien Liberé, haben sich diese Bezeichnung sichern lassen. Die Tour de France ist also eine Rundfahrt durch Frankreich und Europa, sie berührt regelmäßig Belgien, Spanien, gelegentlich die Schweiz, die Bundesrepublik, Italien, Nach neuesten Plänen ist auch eine Stippvisite in den USA in Zukunft nicht ausgeschlossen.

Die Trikots Das Gelbe, das Grüne, das Weiße. Sieger ist, wer (in diesem Jahr nach genau 4118 Kilometern und 450 Metern) Paris im Gelben Trikot erreicht. Gelb darf sich kleiden, wer die Strecke in der kürzesten Gesamtzeit zurücklegt. Das Grüne Trikot trägt der Teilnehmer mit der besten Punktwertung, also mit den besten Plazierungen aller Etappen. Das Weiße Trikot steht demjenigen zu, der die beste Kombination der Gesamtpunkt- und Bergwertung aufweist.

Die Zeitmessung: An Start und Ziel jeder Etappe wird gestoppt.Verschiebungen in der Gesamtwertung sind selten, weil alle Fahrer im Hauptfeld mit derselben Zeit eingestuft werden. Entscheidungen fallen vor allem in den Bergetappen sowie im Zeitfahren, dem Wettbewerb, bei dem der einzelne nur einen Gegner hat, seinen schlimmsten: er fährt gegen die Uhr. Allein.

Die Fahrer: Sie tragen die Namen der Firmen, für die sie in die Pedale treten, wie Tätowierungen am Körper. Die Frankreichrundfahrt demonstrierte schon in der Steinzeit das Modell für künftige Sportwerbung. Die Athleten wurden vermarktet – vom Käppi bis zum Fuß.

Die Preise: Die Gelder bei der Tour sind vielfältig und bleiben dennoch bescheiden. Prämien gibt es für die Ersten der Etappe, für die Stars der Bergwertung. Sogar ein Preis für Liebenswürdigkeit steht täglich auf dem Programm. Die Prämien kommen von den unterschiedlichsten Sponsoren. Es engagieren sich: Milch- und Schokoladenfirmen, Verlagshäuser, eine Bank, eine Reifenfirma, ein deutscher Sportschuh-Konzern und eine konkurrierende französische Sportartikel-Firma. Insgesamt werden Beträge von rund 600 000 Mark ausgeschüttet. Ein bescheidener Betrag für die Millionäre des Sports. Das große Geld-wird nachher gemacht – bei Tingeltangel-Rennen durch die französische Provinz, bei Sechs-Tage-Renren in Deutschland und bei Kirmes-Rennen in Belgien.

Die Mannschaften: Es fahren Firmen-, nicht Nationalteams. Die Tour war lange Zeit eine Angelegenheit für nationale Kollektive. Im Jahre 1962 starteten zum erstenmal Firmen-Mannschaften. Noch zwei Jahre vorher hatte Tour-Direktor Goddet erklärt: „Unmöglich, das Prinzip der National-Mannschaften aufzugeben. Es wäre das Ende des Radsports.“ Der ehemalige Oxford-Student hatte sich geirrt, als er nur an patriotische Firmen wie Frankreich dachte.

Die Hierarchie: Die Tour wird von einer geradezu brutalen „Hackordnung“ bestimmt Die Chefs kommandieren, die „Wasserträger“ haben zu gehorchen. Die Patrone lassen Tempo machen, die Domestiken helfen bei Reifendefekten, stellen notfalls ihr Rennrad zur Verfügung, lotsen den erschöpften Star nach einem Rückfall wieder ans Hauptfeld heran, blockieren oder beschleunigen das Tempo nach Bedarf, Der Sittenkodex der Tour: „Wer vorne liegt, wird von allen Mannschaftsmitgliedern unterstützt.“ –