Wenn mitten im Winter ein Wasserrohr platzt, wenn nach einem Sommergewitter plötzlich der Keller überschwemmt ist, weil der Zufluß zur Kanalisation unter Wasser steht, wenn der Sturm ein paar Dachziegel heruntergeworfen hat und der Regen nicht aufhören will, gerät der Durchschnittsbürger leicht in Panik. Sobald der dringend herbeitelephonierte Handwerker erscheint, ist der Schaden meist schnell behoben.

Nach ein paar Tagen kommt dann die Rechnung. Sie könnte etwa so ausgehen: Rohrverstopfung beseitigt. Material DM 1,50. 6 1/2 Stunden Zeitaufwand à 33,00: 214,50. Elf Prozent Mehrwertsteuer: 23,76. Gesamt: DM 239,76. Mancher Normalverdiener gerät angesichts solcher Stundenlöhne seelisch leicht ins Schleudern. 33 Mark pro Stunde, das ergibt bei 40 Wochenstunden einen Monatslohn von fast 5000 Mark.

Oft enden solche Überlegungen mit der Frage an einen Rechtsanwalt: Kann man sich gegen derart hohe Rechnungen wehren? Sechseinhalb Stunden Arbeitszeit – das ergibt sich nur, weil zwei Handwerker kamen (der eine stand eigentlich nur herum); für die Reparatur selbst brauchten sie kaum zwei Stunden, der Rest ging für’s Frühstück drauf und für die Fahrzeit. Der Anwalt wird erst einmal fragen, ob über den Preis vorher etwas vereinbart worden ist. Meist ist das nicht der Fall, die Sache war ja dringend.

Unter solchen Umständen wird das Ergebnis der anwaltlichen Beratung negativ ausfallen. Für einen Werkvertrag (und das ist der Vertrag mit einem Handwerker im Regelfall) bestimmt § 632 Absatz 2 BGB: „Ist die Höhe der Vergütung nicht bestimmt, so ist... die übliche Vergütung als vereinbart anzusehen.“ Die Rechnung des Handwerkers könnte also nur dann vor Gericht beanstandet werden, wenn die nach den normalen Handwerkerlöhnen übliche Obergrenze überschritten wurde. Stundenlöhne um 30 Mark und großzügig bemessene pauschalierte Wegegelder (ohne Prüfung des tatsächlich gebrauchten Zeitaufwandes) sind aber heute nicht jenseits der Grenze des üblichen. Auch ob ein oder zwei Klempnergesellen nötig sind, um eine Rohrverstopfung zu beheben, liegt grundsätzlich im Ermessen des Unternehmers. Daß die vom Unternehmen berechneten Stundenlöhne nicht mit dem Lohn des erschienenen Handwerkers selbst gleichgesetzt werden können, wird der Anwalt vielleicht am Rande vermerken.

Ein Hausbewohner wird – durch derlei lästige Rechnungen klug geworden – jedenfalls vor der nächsten Renovierung seiner Wohnung einen verbindlichen Kostenvoranschlag einholen. Neue Tapeten, Streichen der Fenster und Türen, Verlegen von Teppichboden – ganz billig ist das nicht. Aber derlei Rechnungen kann man einplanen, und mit manchem Handwerker läßt sich auch über Zahlungsfristen reden.

Auch hier kann freilich die Rechnung Ärger auslösen: Sie hält sich zwar an die vereinbarte Summe, dazu werden aber elf Prozent Mehrwertsteuer berechnet – einige hundert Mark, die nicht eingeplant waren. Müssen Kunden auch die Mehrwertsteuer zahlen? In jedem Fall empfiehlt es sich, zunächst ins Angebot (den Kostenvoranschlag) zu sehen; steht dort „Mehrwertsteuer inklusive“ oder „zuzüglich Mehrwertsteuer“, so ist der Fall klar: Im ersten Fall darf die Mehrwertsteuer nicht zusätzlich berechnet werden, im zweiten Fall dagegen kommt sie zum Angebotspreis noch hinzu. Ist über die Mehrwertsteuer nichts vereinbart, so enthält nach der Rechtsprechung ein festes Preisangebot – jedenfalls wenn es einem Privatmann gegenüber abgegeben wurde – auch die Mehrwertsteuer. Wenn also im Angebot für die Wohnungsrenovierung über die Mehrwertsteuer nichts steht, kann der Kunde davon ausgehen, daß sie im Preis enthalten ist. Eine zusätzliche Berechnung in der „Abschlußrechnung“ kann er ablehnen. Eva Marie von Münch