Die Hoffnung der Geldhändler hat sich erfüllt: Der Lombardsatz – der Zinssatz für Bundesbankkredite gegen Verpfändung von Wertpapieren, – wurde letzte Woche um ein halbes Prozent auf vier Prozent gesenkt. Bundesbankpräsident Otmar Emminger möchte diese Entscheidung vor allem unter außenwirtschaftlichen Gesichtspunkten im Zusammenhang mit der Dollarschwäche verstanden wissen. Dennoch ist eine Ankurbelung der Binnenwirtschaft als Nebeneffekt sicher nicht unerwünscht. Emminger ließ bereits durchblicken, daß bei anhaltender geringer Kreditnachfrage eine Reduzierung des Diskontsatzes, der augenblicklich bei 3,5 Prozent liegt, nicht auszuschließen wäre.

So günstig wie seit langem nicht mehr sind bereits jetzt die kurz- und langfristigen Kreditzinsen. Bedauernd stellt der Bundesverband deutscher Banken allerdings fest, daß die Kreditnachfrage die Angebote nicht recht honorieren. Besonders die öffentlichen Haushalte bleiben zurückhaltend: Ihre Kreditnachfrage blieb deutlich hinter der des Vorjahres zurück.

Im nächsten Jahr allerdings will zumindest Bundesfinanzminister Hans Apel seinen Teil zur Belebung der Kreditnachfrage beitragen. Nach den jüngsten Steuerbeschlüssen hält er eine höhere Nettokreditaufnahme für den Bundeshaushalt 1977 für unvermeidlich. Die Haushaltspolitik der Regierung soll im nächsten Jahr von ihrer Konjunkturpolitischen Reservebank abrücken und wieder aktiver in das wirtschaftspolitische Geschehen eingreifen, verkündete Apel.

Weder an einem Mangel an Geld, noch an zu starker Zurückhaltung der Finanzpolitik ist der wirtschaftliche Aufschwung nach Ansicht des rheinischwestfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung in diesem Jahr gescheitert. Die Hoffnung auf eine anhaltende Erholung muß nach Ansicht der Forscher aber solange begraben werden, wie die Gewerkschaften durch „gefährdende“ Lohnforderungen und der Staat mit hohen Steuern und Sozialabgaben die Wirtschaft belasten. Im Jahresdurchschnitt 1977 glaubt das Institut deshalb noch nicht an ein Absinken der Arbeitslosigkeit unter die Millionen-Grenze.

Erfreulicher sieht es für die Lehrstellensuchenden aus. Nach Untersuchungen der Bundesanstalt für Arbeit hat sich das Angebot an Ausbildungsstellen von Oktober vergangenen Jahres bis Mai dieses Jahres um 8,5 Prozent erhöht. Ob sich die Berufswünsche der Schulabgänger jedoch erfüllen lassen, bleibt fraglich. Nach wie vor herrscht nämlich Mangel an Lehrstellen in favorisierten Sparten des Dienstleistungssektors und in der Technik. Dagegen ist das Angebot an Ausbildungsstätten in den gewerblichen Berufen bereits heute höher als die Nachfrage. VS