Die Vereinigten Emirate sind zur neuen Drehscheibe des Luftverkehrs geworden

Hat einer, sagen wir: ein Topangestellter einer amerikanischen Ölfirma, das nötige Kleingeld, so um die 3600 Mark, dann kann er, fast in einem Rutsch, aus der morgendlichen Hitze des Golf-Staates Bahrain via London nach nur knapp sechs Stunden in einem Washingtoner Restaurant seine Serviette zum Lunch umbinden – nach einem Flug immerhin um beinahe die halbe Erde.

Und das kommt so: Einmal, weil seit Januar 1976 die British Airways mit ihrer "Concorde" ("schneller als eine Gewehrkugel und doppelt so hoch wie der Mount Everest") zweimal pro Woche von Bahrain nach London-Heathrow fliegen. Zum anderen : Weil nur knapp eine Stunde nach der Landung in England eine zweite "Concorde" zu ihrem Blitzflug nach Washington startet.

Zum letzten: Außer der Überschallflugzeit (Einsparung Bahrain–London drei Stunden, London–Washington: vier Stunden) kommt dem eiligen Amerikaner in seinem Erster-Klasse-Sitz die Zeitverschiebung zugute. Für ihn, der es sich leisten kann, lohnt sich der deftige Tarif plus Überschall-Sonderpreis von 20 Prozent also.

Sonst aber ist der "Concorde"-Dienst in die Golfregion mit einer Auslastung von höchstens 46 Prozent ein reines Zusatzgeschäft, im Gegensatz zur 93prozentigen Besetzung der Washingtoner Flüge. Auch für die letzten Optimisten der British Airways, die noch immer an ihrem superschnellen "Ding" hängen und an die Überschall- – Zukunft glauben, könnte sich der düstere Himmel aufklären: Dann nämlich, wenn auch New York nach jahrelangem Gezerre endlich seine Landeerlaubnis erteilt, und dann, wenn vom Sommer 1978 an die "Concorde"-Route London–Bahrain–Singapur–Melbourne eröffnet wird (14 Stunden Zeitersparnis).

Auch die trotz aller trüben Erfahrungen noch nicht ganz so deprimierten Engländer (die Franzosen sprechen längst vom "stillen, aber sicheren Tod" des teuersten Vogels der Welt) wissen natürlich, daß der Konsumentenkreis für die "Concorde" begrenzt ist: Industrieleute der ersten Kategorie und – im Golfverkehr – ein paar superreiche Araber samt Anhang, der mal schnell bei Harrods einkauft. Sonst aber, etwa mit dem seit einem Jahr eingerichteten täglichen "Tristar"-Liniendienst der BEA, werden gute Geschäfte gemacht.

Der Golf bringt auch der auf politisches Renommee bedachten Gesellschaft (Leitspruch: "Fly the Flag", der Union Jack) Gewinn: eine Zuwachsrate für die acht Zielflughäfen gegenüber dem Vorjahr von 137 Prozent, ein Plus allein auf der Bahrain-Strecke von 183 Prozent. Statt sieben fliegen heute 17 Tristar-Großraumflugzeuge in die Golfregion; von 1971 bis 1976 stieg die Zahl der Passagiere von 126 700 auf 315 500.