DIE ZEIT

Die SPD an der Trennlinie

Die SPD hat in ihrer Geschichte nicht selten Zuflucht in symbolisch gedachten Ausschlußverfahren gesucht. Sie mögen zuweilen nötig sein, erträglich aber sind sie nur, wenn zugleich auch der Versuch zur politischen Auseinandersetzung gemacht wird.

Eine Wende in der Weltpolitik?

Mißverstehen die sich immerfort? Bluffen die einander nur? Oder werden wir unausweichlich zurückversetzt in die Zeit wechselseitiger Hysterie, wie wir sie während des Kalten Krieges erlebten? Diese brennende Frage, die sich jeder Beobachter der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen während der ersten sechs Monate der Regierung Jimmy Carters immer wieder angstvoll stellte, ist irrelevant geworden.

Ohne Morgengabe

Menachem Begin kam, sah und – keiner weiß so recht, woher der amerikanische Präsident Carter plötzlich seinen Glauben nahm, daß sich Israelis und Araber im Oktober in Genf über einen Nahost-Frieden verständigen konnten.

Kühns Schlager

Die Möglichkeiten eines Ministerpräsidenten, Aufsehen über seine Landesgrenzen hinaus zu erregen, sind begrenzt. Solches mag mitunter einem Landeschef gelingen, der bei einer strittigen Frage im Bundesrat mit seinem Votum hinter dem Berg hält.

Bonus für Beamte

Das Grundgesetz-Postulat, wonach alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind, gilt für Beamte nur beschränkt. Das Bundesverfassungsgericht hat die Staatsdiener jetzt energisch gegen gleichmacherische Sozialgesetze in Schutz genommen.

Zeitspiegel

Ein Favorit für das Amt des Bundesdatenschutzbeauftragten in Bonn ist gefunden: Professor Spiros Simitis. Der Arbeitsrechtler, der an der Universität Frankfurt liest, ist allerdings schon nebenher bei der Wiesbadener Landesregierung in Brot, als hessischer Datenschutzbeauftragter.

Umweltschützer: Fort mit Schaden

Hans-Helmuth Wüstenhagen, der Vorsitzende des Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU), ist überraschend von seinem Amt zurückgetreten.

Kernenergie: Entscheidung im Parlament?

Schon seit längerem klagen Verwaltungsrichter darüber, daß sie bei der schwerwiegenden Entscheidung über den Bau von Atomkraftwerken vom Gesetzgeber im Stich gelassen und von der Verwaltung überfahren würden.

Mordprozeß in Köln: Fälliger Freispruch

Die Freisprüche im Kölner Mordprozeß gegen den Arzt Karl-Heinz Roth und seinen Mitangeklagten Roland Otto haben das Vertrauen zur Fähigkeit der Justiz gestärkt, auch in politisch eingefärbten Strafverfahren Augenmaß und Vorurteilslosigkeit zu bewahren.

Wolf gang Ebert: Ein Bombenerfolg

Trübe Zeiten liegen hinter uns, aber jetzt dürfen wir wieder strahlen. Und alles nur wegen der Strahlen der Neutronenbombe. An ihr ist schon mal gut, daß sie neu’ ist.

Ins Hornissennest

Die Ankündigung der schleswig-holsteinischen Landesregierung, den Staatsvertrag über den NDR im nächsten Jahr zur vorgesehenen Frist zu kündigen, hat ein ungewöhnlich starkes und vielfältiges Echo ausgelöst.

Zuchtanstalt der Subversion?

Am 14. Juli 1977 bat Ministerpräsident Stoltenberg angekündigt, Schleswig-Holstein werde den NDR-Staatsvertrag kündigen. Seither vergeht kaum ein Tag, an dem der Regierungschef nicht öffentlich die schwersten Angriffe gegen den Norddeutschen Rundfunk richtet.

Ein Jahr nach Radom: Polnische Gnade

Gute Nachricht aus Warschau: Die letzten fünf Teilnehmer der Streiks von Ursus und Radom wurden begnadigt, die neun grundlos festgesetzten Mitglieder des Komitees zur Unterstützung der Arbeiter aus dem Zuchthaus entlassen.

Erfolg für Mario Soares

Der portugiesische Ministerpräsident Mario Soares, Chef einer sozialistischen Minderheitsregierung, hat eine politische Hürde genommen.

BONNER BÜHNE: Wer liebt den Meister?

„Ich bin kein Wagnerianer“, hatte Bundespräsident Walter Scheel anläßlich des 100. Geburtstages der Bayreuther Festspiele den versammelten Wagnerianern bekannt.

Machtwechsel auf Ceylon

Aussichten, die Parlamentswahlen am 21. Juli zu gewinnen, bestanden für die Partei von Frau Bandaranaike, die linksgerichtete Sri-Lanka-Freiheitspartei (SLFP), von vornherein nicht: Unter der SLFP war die Insel in eine schwere Wirtschaftskrise geraten.

Kernfrage Kernenergie

Der Vorsitzende des VII. Senats beim Oberverwaltungsgericht Münster, Konrad Gelzer, hat die Frage aufgeworfen, ob die von den Regierungen erteilten Genehmigungen für den „Schnellen-Brutreaktor“ verfassungswidrig seien.

Fernseh-Zeit: Das Elend mit den Freien

Freie Mitarbeiter sind das Salz in der Suppe jeder Rundfunkanstalt, nur kann sie sich kaum ein Sender noch erlauben. Nicht weil sie zu teuer wären, sondern weil sie sich im Handumdrehen einen Anspruch auf Festanstellung und Pension erdient haben.

Bundesrat: Ein Rat der Opposition

auf. Die Gewichte zwischen Aktualität und distanzierter Analyse angemessen auszutarieren, gehört ohnehin zur hohen Kunst von Bonn-Büchern.

Stoppt Blumenthal jetzt!

Die deutsche Industrie schlägt Alarm. Die jüngsten Währungsunruhen, die schon bis Mitte dieser Woche die Mark zu einer sehr teuren Währung gemacht haben, weckten mitten in der Sommerpause alte Ängste.

Konjunktur: Im Wartezimmer

Bonn ist wieder einmal eine Gerüchteküche. Bundeswirtschaftsminister Hans Friderichs möchte möglichst bald ein Sondergutachten der fünf Weisen.

Großbritannien: Kapitulation

In den letzten vier Jahren hatten die Briten Inflationsraten von 10, 20, 25 und schließlich 15 Prozent. Sie wissen längst, daß ein Pfund nicht mehr ein Pfund ist.

Klaus-Peter Schmid aus Paris: Zum Verlust gezwungen

Daß Luftfahrtgesellschaften Millionenverluste erwirtschaften, ist nichts Außergewöhnliches. Auch bei dem französischen Staatsbetrieb Air France ist das fast eine Gewohnheit: Seit 1974 werden riesige Defizite eingeflogen.

Rainer Frenkel zur Autokonjunktur: Ärger mit dem Glück

Diesmal machte er eine Ausnahme. Befragt, wie er denn die Autokonjunktur einschätze, sagte er: Jeder Auto-Manager nehme da sein Haus zwar aus, doch nach allgemeiner Überzeugung sei der Höhepunkt des seit zwei Jahren Anhaltenden Booms wohl überschritten.

Bonner Kulisse

Nach dem Spruch der Verfassungsrichter, die Kindergeldregelung für Beamte mit mehr als zwei Kindern sei gegenüber der bis 1974 geltenden Regelung zu knapp und damit verfassungswidrig, haben die Bonher nun begonnen, sich Kopfzerbrechen über eine Änderung zu machen.

Arbeitsmarktpolitik: Nun kommen die Praktiker

Hanns Martin Schleyer nahm die Sache selbst in die Hand. „Das Präsidium“, schrieb der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, der gleichzeitig der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und damit der einflußreichste deutsche Wirtschaftsführer ist, an die Unternehmen, „hat einen Arbeitskreis eingesetzt, der sich mit Maßnahmen zur Wiedergewinnung der Vollbeschäftigung befaßt.

Moskauer Allerlei

In der Sowjetunion ist die Fleisch-Not so groß geworden, daß sie selbst die Agrar-Planer erfinderisch macht. In der Umgebung Moskaus sollen in diesem Jahr 100 000 Kälber und 24 000 Ferkel aus Staats- und Kollektivgütern eine individuelle Sommerfrische verbringen: Sie werden an „Pflegeeltern“ in der Nachbarschaft ausgeliehen, damit die Landwirtschaftsbetriebe Futter sparen.

EG-Haushalt: Zahlt Bonn weiter die Zeche?

Nichts weniger als ein „totales finanzpolitisches Chaos“ haben Spitzenfunktionäre der Brüsseler Kommission, der an Rückschlägen und Krisen ohnehin, nicht armen Gemeinschaft, zum Jahresende vorausgesagt.

Manager und Märkte

Ein hochprofitables Geschäft machte der Chef der gewerkschaftseigenen Baugruppe Neue Heimat, Albert Victor, jetzt mit sich selbst.

Buch der Woche

Bücher über Finanzen und Steuern haben üblicherweise eines gemeinsam: sie sind nur für Fachleute interessant. Die Autoren, meist hochspezialisierte Fachleute, geben sich keine Mühe, verständlich zu formulieren.

Zeitraffer

Ungebrochen ist offenbar die Europabegeisterung unserer südlichen Nachbarn. Nach Griechenland und Portugal hat nun auch Spanien offiziell einen Antrag auf Vollmitgliedschaft in der Europäischen Gemeinschaft gestellt.

Männerlektüre reizt auch Frauen

Verlag und Redaktion können stolz auf. sich sein – und auf ihre Leser. Denn genau 25 Jahre nach Gründung der Bild-Zeitung meldet der Axel Springer Verlag ihren bisher größten Erfolg: Tagtäglich wurden im zweiten Quartal dieses Jahres im Durchschnitt 4 833 667 Exemplare verkauft.

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