Niedersachsens Ministerpräsident Albrecht, bekannt als schneller Brüter, hat eine Idee, die – weitergedacht – uns von manchen Sorgen erlösen könnte. Zunächst hat Albrecht dabei nur seinen Atommüll im Auge und schlägt vor, ihn nach Grönland zu befördern. Aus Grönland liegen dazu noch keine Reaktionen vor, aber jede. Kind weiß, daß in Grönland viel Platz ist und die Grönländer wie die Neufundländer sehr gutmütig sind. Warum sollte also Albrechts Plan keine Chance haben, selbst wenn man ihm in Grönland zunächst die kalte Schulter zeigt? Welch weitreichende Perspektiven ergeben sich aus dieser Überlegung!

Erstens: Warum umständlich, wenn’s auch einfach geht? Also: warum den Müll kostspielig nach Grönland transportieren und nicht gleich auch die Kernkraftwerke, die ihn produzieren, dort ansiedeln? Einsame Gegenden gibt es, wie mir Grönlandkenner versichern, dort genug, also fiele auch das Sicherheitsrisiko weitgehend weg und damit – zweitens – auch der teure Berstschutz,

Zugleich ließe sich damit (drittens) auch das Problem mit den Kernkraftgegnern lösen. Ohne Kernkraftwerke keine Gegner! Sollte es aber unter ihnen welche geben, die sich ein Lagerleben ohne Kernkraftwerk gar nicht mehr vorstellen können, könnte man sie gleich mitnehmen.

Ihre Gegenspieler, die Kernkraftbefürworter, würde die Grönland-Verpflanzung sicher zuerst sehr schockieren. Denn damit wäre ihnen das Argument genommen, daß Kernkraftwerke dazu beitragen, die Arbeitslosigkeit zu senken. Sie ließen sich aber sicher durch ein neues Krisenrezept beschwichtigen: die staatliche Arbeitslosenprämie für Grönland-Auswanderer!

Doch Grönland bietet noch viel mehr Möglichkeiten, als es sich Albrecht je träumen ließ, als er nach einer Halde für den Atommüll suchte. Gewiß, unsere eingefleischten Antikommunisten werden den Linken weiterhin raten, in den Osten zu gehen, wenn es ihnen hier nicht mehr paßt, und ihnen nicht die Emigration nach Grönland empfehlen. Aber wäre es nicht zumindest erwägenswert, die militanten Gegner unseres. Staates, die ihn für faschistisch halten, nach Grönland zu schaffen, bevor sie es geschafft haben, ihn dazu zu machen? Zwai werden sie sich dort etwas isoliert vorkommen – aber gewiß nicht allzu lange. Denn die Entdeckung Grönlands durch Albrecht kommt ja nicht von ungefähr.

Ein weiteres Zeichen für das erwachende Grönland-Interesse bei uns ist der Grönländern des bayerischen Filmemachers Achternbusch, der den bezeichnenden Titel „Servus Bayern!“ tragen wird. Auch andere an der Bundesrepublik verzweifelnde Filmemacher könnten sich dadurch veranlaßt sehen, ihre Blicke nach Grönland zu richten, um von dorther dem deutschen Film neue Impulse zu geben.

Apropos Bayern: Gerüchte, wonach Gerold Tandler durch eine noch geheime Umfrage ermittelt haben soll, daß Strauß in Grönland ungemein beliebt sei und man ihn dort gern an der Landesspitze sähe, eilen den Tatsachen weit voraus. Bekanntlich hatte sich Strauß immer mehr für Alaska als für Grönland interessiert.

Viel wahrscheinlicher klingen Nachrichten, die aus Washington kommen. Dort scheint sich die Tendenz durchzusetzen, daß es einfach viel zu teuer ist, die Deutschen schon in Deutschland zu verteidigen und nicht erst an der Loire. Da käme die Verteidigung Grönlands noch viel preisgünstiger. Würde es sich dann nicht – gewiß ein verwegener Gedanke – für uns lohnen, wenn wir alle nach Grönland übersiedeln? Was spräche eigentlich dagegen? Nach diesem Sommer nicht einmal das Klima.