Bonn

Eine schon altehrwürdige Bonner Institution ist dem Ausdehnungsdrang der Bonner Ämter gewichen: Der „Deutsche Presseclub“ ist kurz vor seinem 25jährigen Jubiläum umgezogen und hat sein altes Haus, das vom Postministerium beansprucht worden war, geräumt. Nicht ungern, denn das neue, größere Gebäude vereint, was in der Bundeshauptstadt nicht gerade üblich ist, moderne Funktionalität und altmodische Bequemlichkeit auf passable, manche sagen sogar: pfiffige Art und Weise. Rund 5,4 Millionen Mark hat der Bund für Grundstück, Bau und Einrichtung des neuen Domizils ausgegeben, dafür nutzt die Bundesregierung das Gebäude auch reichlich für ihre Gäste. Natürlich finanziert der Club seine Veranstaltungen selbst.

Hilfestellung des Bundes und sorgfältig gehütete Unabhängigkeit – diese merkwürdige Mischung ist nicht untypisch; sie erklärt sich zum Teil aus der Geschichte. Den Hauptanstoß zur Gründung des Presseclubs gab nämlich Kanzler Konrad Adenauer: Er suchte damals – noch war das Besatzungsstatut nicht abgelöst – eine Möglichkeit, um unbehelligt mit deutschen Journalisten vertraulich sprechen zu können.

Die journalistischen Gründungsväter waren Robert Strobel und Alfred Rapp. Strobel, langjähriger Korrespondent der ZEIT, reichlich versehen mit präzisen Kenntnissen und subtilem Witz, war der erste Präsident, der den Club 1953 auf die Beine gestellt hat. Rapp, ein Mann von profunder Bildung und analytischem Verstand, präsidierte dem Club zwölf Jahre lang; er hat ihn geprägt. Respektiert, wenn nicht gar gefürchtet, waren beide.

Trotzdem, es kamen alle – die Kanzler, die Oppositionsführer, mehr oder minder Prominente. Nicht zuletzt deshalb, weil sie sicher sein konnten, daß über ihre Gespräche im Club nicht berichtet würde. Die Regel der Vertraulichkeit ist in der Geschichte des Clubs tatsächlich nie ernsthaft verletzt worden. Und die Fama weiß von manchen beachtenswerten Auftritten, etwa von grollenden Ausbrüchen Herbert Wehners und von mitternächtlichen Eruptionen eines Franz Josef Strauß. Ein wenig ist es schon Heldenlegende, was damals bei den Altvorderen geschah: Treffen, in denen der Durst nach Wein und nach politischer Weisheit gleichermaßen gewaltig war und manchmal anhielt, bis der Morgennebel über dem Rhein aufstieg.

Einiges hat sich geändert. Es soll jetzt sogar Politiker geben, denen es lieber wäre, die Veranstaltungen fänden nicht hinter der Schutzwand der Vertraulichkeit, sondern im Licht des Fernsehens oder der Medien statt. Aber in diesem Punkt sind die Clubmitglieder bemerkenswert konservativ: Von der Presse will der Presseclub nicht gestört werden. Rolf Zundel