Gastfreundschaft wird seit jeher in Norwegen großgeschrieben. Das Land ist jedoch in der glücklichen Lage, daraus nicht um jeden Preis Kapital schlagen zu müssen: Die wichtigen Devisen fließen aus anderen Quellen – Fischerei, Seefahrt, Industrie und neuerdings direkt aus der Nordsee in Form von Öl.

Die Norweger wollen dem Tourismus weder ihre Eigenart noch ihre Landschaft opfern“, daran läßt Knut Jantzen, frischgebackener Direktor des Norwegischen Fremdenverkehrsamtes in der Bundesrepublik (Glockengießerwall 26, 2000 Hamburg 1), keine Zweifel.

Man wird also auch in Zukunft weder Ferien-Betonburgen noch auf Fremdenverkehr zugeschnittenes Mondänes in Norwegen befürchten müssen. „Tourismus ist in Norwegen keine Spielwiese für Spekulanten. Sein Ziel ist es, Erholungsuchenden wirklich Erholung anzubieten – den Norwegern wie ihren Gästen.“ Eine Binsenweisheit, die Knut Jantzen da äußert? Vielleicht. Aber er bezieht in den Begriff „Erholungsuche“ nicht nur die Menschen, sondern auch die Landschaft ein, und zumindest das sind Klänge, die längst (noch) nicht überall ertönen.

Tatsache ist, daß die norwegischen Politiker sich zunehmend mit dem Problem Tourismus befassen. Eine wachsende landesweite Planung berücksichtigt Landschaftsschutz ebenso wie das Bedürfnis nach Erholungszonen, versucht die Freizeitwünsche der Norweger mit denen ihrer Gäste in Übereinstimmung zu bringen, läßt sich schließlich auch von strukturpolitischen Erwägungen leiten – mit anderen Worten: man hat ein klar umrissenes Fremdenverkehrskonzept.

Daraus nun auf eine Art von Lückenbüßer-Tourismus zu schließen (etwa so: „Da haben wir ein paar Ferienplätze noch nicht besetzt, also – kommt ruhig mal...“), wäre sicher falsch. Im Gegenteil. Frei nach dem Motto: „Was gut für uns ist, ist auch für andere gut“, sind die Norweger offenbar davon überzeugt, mit ihrem Konzept dem Gast das Beste zu bieten. Und so ist die Aufforderung an den Fremden, sich nicht nur zu Hause, sondern wie ein Norweger zu fühlen, durchaus altruistisch zu verstehen.

Die meisten deutschen Besucher kommen per Auto, entweder via Dänemark und/oder Schweden oder direkt ab Kiel mit dem Fährschiff nach Oslo. Obwohl Ferien in gemieteten Sommerhäusern (davon stehen rund 4000 Stück zur Verfügung) insbesondere von Familien mit Kindern bevorzugt werden, ist Norwegen in der Sommersaison für die meisten deutschen Touristen jedoch noch immer eines der klassischen Rundreise-Ziele. Und fast immer ist es die großartige, wilde Natur, die lockt: Nordkap als exotischnördlicher Höhepunkt, die Fjorde an der Westküste, die Täler des ‚,Ost“-Landes, die weiten Hochgebirgsebenen („fjell“), die Küstenschiffahrt mit „Hurtigruten“.

Hotels, Pensionen und Fremdenverkehrsvereine haben sich darauf eingestellt und bieten außer der freien Gratis-Natur gleich, hintern Haus viele Formen von Aktivurlaub. Besonders beliebt sind Wandern, Kanufahren, Tennis, Angeln und – Frühstücken. Das norwegische Frühstück ist ebenso üppig wie reichhaltig und im besten Fall sogar tagesfüllend!