Der Doppelpräsident der Unternehmerverbände hat noch nicht überzeugt

Von Werner Mühlbradt

Um 7.30 Uhr steht auf dem Stuttgarter Flughafen die Maschine startbereit; 8.30 Ankunft Köln-Wahn; 9.00 Hausbesprechung Bundesvereinigung Köln; 10.00 Hauptabteilungsleiter-Besprechung, Bundesverband; 13.45 Zeitungsinterview, Bundesvereinigung; 14.30 Treffen mit amerikanischen Unternehmern beim Bundesverband; 19.30 politisches Gespräch in Bonn.

Das ist ein Montagsfahrplan des Präsidenten der beiden großen Unternehmerverbände – des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) – Hanns Martin Schleyer (62). Gelegentlich eilt er noch am Abend auf dem Luftweg in das heimatliche Stuttgart zu einer Konferenz oder einer anderen Veranstaltung „seines“ Unternehmens, der Daimler-Benz AG. Mit ironischem Unterton heißt er im Mercedes-Hochhaus: unser für das Verbandswesen freigestellte Vorstandsmitglied.

Schleyer ist der erste Doppelpräsident in der modernen Verbandsgeschichte der Unternehmer. In den fünfziger Jahren hatte Hermann Reusch, der fast legendäre frühere Chef der Oberhausener Gutehoffnungs-Hütte, zwar schon einmal gesagt: „Warten wir noch das Ende der beruflichen Tätigkeit des alten Gerhard Erdmann (des damaligen Hauptgeschäftsführers der BDA) ab, dann legen wir BDI und BDA zusammen.“ Doch dazu kam es nicht.

Rivalitäten wechselten mit Koordinationsversuchen; erfolgreichen Abstimmungen in politischen Fragen folgten Dissonanzen – das Verhältnis zwischen den beiden großen Verbänden, die das wirtschaftspolitische Feld der Industrie und den sozialpolitischen Raum der Gesamtwirtschaft abzudecken versuchten, konnte nicht stabilisiert werden. In der Ära Adenauer lag der BDI in der Regel vorn. Sein Einfluß war damals dominierend; die Arbeitgeberverbände erledigten das mühsame Tarifgeschäft – so recht und schlecht.

Mit dem Ende der Kanzlerschaft Adenauers veränderten sich allmählich die politischen und ökonomischen Daten; der BDI mußte zurückstecken. Unter der Präsidentschaft von Hans Günther Sohl wurde zwar Gelände zurückgewonnen, aber der alte Status ließ sich nicht wiederherstellen. Sohl – ein Experte auf dem Gebiet von Kooperationen und Zusammenschlüssen – griff schließlich die Idee wieder auf, BDI und BDA enger zu verzahnen. Eine Fusion beider Verbände schied allerdings aus, weil dann die nicht-industriellen Arbeitgeberverbände ohne zentrale Vertretung gewesen wären.