Ein trübes Kapitel deutscher Verbände-Geschichte scheint sich dem Ende zu nähern, für. einen der Hauptbetroffenen sogar zu einem guten. Im vergangenen Jahr war der damals noch amtierende Präsident des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA), Fritz Dietz, wegen des Verdachts, private und dienstliche Interessen allzu sorglos zu verknüpfen, ins Rampenlicht gerückt.

Im Verlauf der verbandsinternen Querelen spielten dann eine Reihe von Dietz-Briefen an Bundeskanzler Helmut Schmidt und dessen Abteilungsleiter Dieter Hiss eine unrühmliche Rolle, nicht zuletzt deshalb, weil Dietz ihre Urheberschaft kategorisch leugnete. Die Angelegenheit wurde gerichtsnotorisch, Dietz selbst trat zurück, überließ sein Amt dem bisherigen Vizepräsidenten Hans Hartwig, wurde aber zum Ehrenpräsident des BGA auf Lebenszeit gewählt.

Inzwischen ist die Bonner Staatsanwaltschaft bei der Suche nach dem Brief-Urheber fündig geworden. Gegen den stellvertretenden BGA-Hauptgeschäftsführer Hans-Andreas Siemann ist Anklage wegen des Verdachts der Beteiligung an Urkundenfälschungen erhoben worden. Die Bonner Staatsanwaltschaft, mit der Namensnennung von Siemann zunächst zurückhaltend, bestätigte jetzt den Sachverhalt. Geschäftsführer Siemann weilte derzeit auf Reisen. (Eine Reaktion der BGA-Oberen lag bei Redaktionsschluß noch nicht vor.)

Daß sogenannte Parteifreunde unter- und übereinander hinter vorgehaltener Hand nicht gerade Schmeichelhaftes verbreiten, ist eine sattsam bekannte Bonner Unsitte. Steht das aber schvarz auf weiß in den Zeitungen, dann freilich ist alles ganz anders. Plötzlich stimmt z. B. nicht mehr, daß FDP-Bundesgeschäftsführer – Günter Verheugen das vor kurzem bekanntgewordene „Aktionspapier zur Beschäftigungspolitik“eines Unterausschusses beim FDP-Bundesdachausschuß „Wirtschaft und Verbraucher“ als „Nullum“ bezeichnet hat. (Bonner Kulisse in ZEIT Nr. 33 vom 5. 8. 1977.) Ebenso undenkbar ist nun auch, daß jemals Zweifel an der Qualifikation irgendeines der zahlreichen Ausschußmitglieder geäußert wurde. Dabei hatte Verheugen nicht einmal hinter vorgehaltener Hand geplaudert.

In der SPD wird erzählt, Bundeskanzler Helmut Schmidt habe Forschungsminister Hans Matthöfer dringend nahegelegt, seine Strategie über die Kernenergie-Debatte in der SPD zu überdenken. Matthöfer ist es gewesen, der seit einigen Wochen anklingen läßt, die Regierung könne kaum an einen Kernkraftwerksstopp vorbeikommen, wenn beide Parteien – SPD und FDP – auf ihren bevorstehenden Parteitagen eine Denkpause beschließen sollten.

Als letzte Woche ein Matthöfer-Brief mit den wirtschaftspolitischen Konsequenzen einer Genehmigungspause für Kernkraftwerke bekannt wurde, herrschte zunächst Verwirrung, ehe sich Vermutungen zum Gerücht verdichteten, es handele sich um einen von oben angeordneten Meinungswechsel des Ministers.

Wer jedoch an den Beginn der von Matthöfer während der Sommerpause forciert in Gang gesetzten Energie-Diskussion zurückkehrt, wird ihm in diesem Punkt keine Schwenkung nachsagen können. Die Schlagzeile „Ohne Atom kein Strom“ in der Boulevardpresse war damals eine Kurzfassung des jüngsten Ministerbriefes an seine hessischen Parteifreunde. Gleichwohl gilt als verbürgt, daß die neuerliche Akzentuierung dieses Aspekts durch Hans Matthöfer einer Eingebung vom Brahmsee entspringt.