Ein thermonukleares Wetterleuchten über der südafrikanischen Wüste wäre keine Vision friedlicher Zukunft. Deshalb versuchen die westlichen Staaten mit beschwörenden Worten und ernsten Warnungen die Buren-Republik von dem Unterfangen abzuhalten. Der Atompilz einer ersten Explosion wäre ein Reizsymbol mehr für den Rassenkrieg Schwarz gegen Weiß, ein Grund mehr für die Sowjetunion, als Schutzmacht des afrikanischen Kontinents gegen die weiße Bedrohung aus dem Süden aufzutreten.

Den belagerten, weltweit vereinsamten weißen Südafrikanern mag der Schritt über die Schwelle zur Atomrüstung psychologisch Satisfaktion bieten, auch wenn sie ernsthaft keine nukleare Rüstung vorhätten, sondern nur ein abschreckendes Signal setzen wollten. Indes würden sie die amerikanische Politik gegen die Verbreitung von Kernwaffen in Frage stellen und die internationale Autorität Präsident Carters offen herausfordern. Politische und andere Sanktionen wären die Folge, und Südafrika würde sich Nordamerika und Westeuropa noch mehr entfremden.

Doch könnte amerikanischer Druck auf Südafrika noch wirksam anwachsen, wenn die Entscheidung für die Atomexplosion in Pretoria einmal gefallen wäre? Südafrika ist in vielen strategischen und industriewirtschaftlichen Rohstoffen autark. Es hat nach Nordamerika die reichsten Uranvorräte des Westens. Eine kleine Minderheit, in die Enge getrieben und allein gelassen, verbohrt sich leicht in ihre eigene Logik und flüchtet sich in die trügerische Leere eingebildeter Sicherheit. L.R.