Castrop-Rauxel

Die Lektüre des Buches „Die Reichen und die Superreichen“ animierte ihn 1971 zur Entführung des Ladenkettenmillionärs Theo Albrecht, heute arbeitet er als Gefängnisbibliothekar in der offenen Justizvollzugsanstalt „Meisenhof“ in Castrop-Rauxel: Heinz-Joachim Ollenburg (52)

Der ehemalige Anwalt, in dessen Düsseldorfer Kanzlei Theo Albrecht verschleppt, 18 Tage gefangengehalten und schließlich gegen ein Lösegeld von sieben Millionen Mark freigelassen wurde, hat zwei Drittel seiner achteinhalbjährigen Strafe verbüßt und will nicht ruhen, bis seinem einstigen Opfer der verschwundene Lösegeldrest in Höhe von 3 676 706,32 Mark zurückerstattet worden ist.

Trotzdem: Die fünfte Strafvollzugskammer des Landgerichts Dortmund entschied, daß zur Zeit eine vorzeitige Entlassung nicht zu rechtfertigen sei. Das Persönlichkeitsbild Ollenburgs lasse befürchten, heißt es in der acht Seiten langen Begründung, daß es unter erheblich verschlechterten persönlichen und finanziellen Verhältnissen, die er heute im Vergleich zur Zeit der Tat antreffen werde, erneut zu Straftaten kommen könne.

An Ollenburgs Verhalten in der Haft hatten die Richter nichts zu beanstanden, obwohl sich der Ex-Anwalt während eines Theaterbesuchs im April von der „Freigänger“-Gruppe entfernte, um während der Zeit der Aufführung mit der 1974 geehelichten Angela Pöck, seiner ehemaligen Sekretärin, die Speisekarte in Dortmunds Prominentenherberge „Römischer Kaiser“ zu studieren.

Die Entscheidung der Strafvollzugskammer, die vis-à-vis einem Billigladen der „Aldi“-Kette tagte, hat Ollenburg „tief deprimiert“. Immerhin gewährte das Gericht Ollenburg Strafunterbrechung bis zum 29. August, um ihm die Möglichkeit zu geben, seine Ehe zu kitten, in der es nach Ablehnung der vorzeitigen Entlassung kriseln soll.

Sofort nach seiner Freilassung will Ollenburg von neuem auf Millionenjagd gehen, „damit“, so Rechtsanwalt Schulte-Overberg, „Herr Albrecht auch der noch fehlende Anteil des Lösegeldes zurückerstattet wird“. Ex-Anwalt Ollenburg, der nach seiner Festnahme den eigenen Anteil an der erpreßten Beute – 3,5 Millionen Mark abzüglich „Spesen“ – zurückgegeben hat, ließ wissen, er bedaure zutiefst, daß sein damaliger Komplize Paul Krohn („Diamanten-Paule“) seinem Beispiel nicht gefolgt sei. Doch der will lediglich 10 000 Mark erhalten haben.