Mahatma Gandhi ist weltberühmt geworden durch seine Lehre der Gewaltlosigkeit und durch die Anwendung dieses Grundsatzes in der politischen Praxis. Die indische Regierung verlieh ihm den Ehrentitel „Vater der Nation“ ( „Rashtrapita“ ). Dies sollte bedeuten, daß die Regierung und das Volk auch die Lehre der Gewaltlosigkeit achtet und praktiziert. Mit seiner militärischen Aufrüstung erweckt Indien indessen den Eindruck, daß man in Wirklichkeit weder, von Mahatma Gandhi noch von seiner Lehre etwas wissen will: Das Land unterhält eine der größten Armeen der Welt, verstärkt ständig seine Luftwaffe und Marine und beschafft sich durch Importe wie mit Hilfe eigener Produktion moderne Ausrüstungen und erweitert die Basis seiner militär-wissenschaftlichen Forschung.

Wer trifft und beeinflußt die militärpolitischen Entscheidungen in Indien? Welche sind die Gründe, die das Land zu progressiver Aufrüstung zwingen? Antworten auf diese Fragen gibt

Eckehart Ehrenberg: „Die indische Aufrüstung 1947–1974“; Verlag Sozialwissenschaftlicher Studienkreis für Internationale Probleme, Saarbrücken; 406 S., 27,– DM.

Die Arbeit basiert auf umfangreicher Literatur, Zeitungsberichten und offiziellen Publikationen. Der Autor untersucht die soziale Struktur, das Parteiwesen und die Medien des Landes, behandelt die Einstellung der Regierung, des Parlaments und wichtiger Persönlichkeiten zur Aufrüstung, beschreibt die Entwicklung des Militärpotentials, schildert die rüstungswirtschaftlichen und militärpolitischen Beziehungen Indiens mit anderen Staaten, so mit der Bundesrepublik, mit Frankreich, Großbritannien, der Sowjetunion und Amerika. Dazu stellt Ehrenberg fest, daß „ungeachtet der hohen Qualifikation der indischen Wissenschaftler bisher eigentlich kein großes technisches Projekt ohne ausländische Unterstützung zustande“ gekommen sei.

Shiva-Kumar Sharma