Von Erik Eckholm

Einst’ wurde die Geschichte in den Wüsten gemacht. Die ältesten Zivilisationen und drei Weltreligionen sind hier entstanden. Jetzt machen die Wüsten selbst Geschichte – zum einen wegen der außergewöhnlichen Bodenschätze, die unter dem Sand lagern, zum anderen aber wegen des ökologischen Verfalls, der sich zu einem Desaster für die Menschheit ausweitet.

Mehr als ein Drittel der Landfläche unseres Planeten ist dürres oder halbdürres Gebiet. Aber nur weniger als die Hälfte davon ist auf natürliche Weise so ausgetrocknet, daß Menschen dort nicht leben können. Jahr für Jahr jedoch verwandeln Menschen mehr Landstriche in nutzlose Wüsten – und setzen damit ihre Zukunft aufs Spiel. Weil sie das Land durch Oberweiden, Überkultivierung oder Abholzen auszehren, breiten sich die Wüsten in Afrika, Asien, Australien und auf den amerikanischen Kontinenten aus. Schlimmer noch: Die Produktionskapazität geht in den großen Trockengebieten in reichen wie in armen Ländern zurück.

Die Existenz von etwa fünfzig Millionen Menschen ist nach Schätzungen der Vereinten Nationen gegenwärtig bedroht, weil Erosion, Wanderdünen oder Bodenversalzungen Felder und Weiden zerstören. Noch mehr Bauern und Hirten müssen Einkommensverluste hinnehmen.

Dieser Verfall der Trockengebiete, die „Desertifikation“ (wörtlich übersetzt: „Verwüstung“), beschäftigte bis vor kurzem nur einen kleinen Kreis von Wissenschaftlern. Jetzt aber ist das Problem Thema einer großen UN-Tagung, der United Nations Conference on Desertification, die am 29. August in Nairobi beginnt.

Katastrophen hat es immer schon gegeben. Dürre und Mißernten plagten von jeher die Trockengebiete, wie schon die Bibel bezeugt: Joseph riet dem Pharao, Getreidevorräte für trockene Jahre anzulegen. Doch die Folgen des ausbleibenden Regens und die Störung des empfindlichen ökologischen Gleichgewichts übertreffen heute in den meisten Wüstenregionen frühere Dürreperioden.

Am schlimmsten ist die Landzerstörung am Südrand der Sahara, in der sogenannten Sahelzone. So fraß sich im Sudan die Wüste in den vergangenen 17 Jahren 90 Kilometer tief ins Nutzland vor. Zudem sanken Ernteerträge und Produktivität der Weiden auch in Gebieten, die weitab vom Wüstenrand liegen. Der gleiche Trend herrscht auch am Nordrand der Sahara: In Nordafrika degenerieren jährlich etwa 100 000 Hektar Acker- und Weideland zu Wüsten. Im Mittleren Osten bieten einige Gebiete heute weniger Menschen Lebensraum als vor Jahrtausenden, als dort die ersten Zivilisationen entstanden. Auch in Argentinien, Brasilien, Chile, Peru und Mexiko wächst die Wüste.