Von Claus Voland

Das hat es noch nicht gegeben: Hochschullehrer, die bereit sind weniger zu verdienen als bisher. Zwölf Berliner Professoren und neunzehn Assistenten verpflichteten sich am 25. August vor der Presse, freiwillig eine Gehaltsstufe zurückstecken, wenn der Berliner Senat dafür bis zu 300 neue Stellen an den Hochschulen der Stadt schaffe. Zu den Professoren gehören: Ossip K. Flechtheim, Niels Diederich (gleichzeitig Bundestagsabgeordneter der SPD), Wolf Dieter Narr, Fritz Vilmar, Dieter Ciaessens (Rektor der Fachhochschule für Sozialarbeit und Pädagogik) und Jürgen Dittberner (Hochschulpolitischer Sprecher der FDP in Berlin). Mit der Zurückstufung, die dem einzelnen eine monatliche Einbuße von 200 bis 500 Mark brutto bringt, wollen die Hochschullehrer zur Verringerung der Arbeitslosigkeit von Akademikern beitragen.

Der spektakuläre Schritt wurde von einer Gruppe um den Assistenz-Professor Peter Grottian initiiert. Grottian, der am Zentralinstitut für sozialwissenschaftliche Forschungen der Freien Universität (FU) arbeitet, setzt sich dafür ein, überhaupt die Gehaltssteigerungen von Beamten und Angestellten des „höheren Dienstes“ zu kürzen. Mit den so eingesparten Geldern könnten im öffentlichen Dienst neue Arbeitsplätze für Jungakademiker geschaffen werden. Die Berliner Gruppe schlägt vor:

  • Bei den jährlichen Gehaltserhöhungen den Beamten und Angestellten oberhalb der Besoldungsgruppe A 13 oder BAT II a (beginnt bei etwa 2700 Mark und reicht bis zu 11 000 Mark), also zum Beispiel Richtern, Studienräten, Hochschullehrern, höheren Offizieren, höheren Beamten in Ministerien und anderen Verwaltungen, Staatssekretären und Ministern, nicht die volle Steigerung von vielleicht 6,5 oder 7 Prozent zu zahlen, sondern nur einen Ausgleich für die Inflationsrate.
  • Die Gehälter von freiwerdenden Positionen im höheren Dienst um fünf bis zehn Prozent zu kürzen.
  • Absolventen von Hochschulen und Fachhochschulen bei ihrem Eintritt in den öffentlichen Dienst niedriger einzustufen;, zum Beispiel nicht nach A 13 (etwa 2700 Mark monatlich), sondern nur nach All (etwa 2200 Mark).
  • Gehaltserhöhungen auf Grund von nahezu automatischen Höhergruppierungen nicht mehr wie bisher alle zwei Jahre, sondern nur noch alle vier Jahre vorzunehmen.

Unter dem Strich machte das jährlich 28 300 neue Stellen; je bezahlt mit etwa 2200 Mark monatlich (Besoldungsgruppe All).

Die Sparmaßnahmen treffen auch die im höheren Dienst Beschäftigten an den Hochschulen. Als weitere Einschränkungen, speziell für die Hochschulen, schlagen die Berliner vor:

  • Die Eingangsbezahlung von Professoren, Assistenzprofessoren und Assistenten herabzusetzen.
  • Die „Wanderungsgewinne“ der Professoren (Einkommenszulagen, die bei einem Wechsel von einer Hochschule zur anderen ausgehandelt werden) zu streichen.
  • Alle Unterrichtspauschalen und Prüfungsvergütungen wegfallen zu lassen.