Von Brigitte Zander

Sie sitzen im Vorzimmer der Macht. Über ihre Schreibtischtelephone führt der heiße Draht zum Chef. Und über ihre Vermittlung der Weg ins „Allerheiligste“. Sie spielen Prellbock, Diplomat, Computer, Blitzableiter und Psychiater, brühen nebenher Kaffee auf und lächeln auch noch während der Überstunden. Die Sekretärinnen sind die Stützpfeiler der bundesdeutschen Bürotürme, die rechten Hände der Manager.

Bei einer Umfrage in Großbritannien versicherten jüngst vier von zehn befragten Vorgesetzten sogar bescheiden, ihre Arbeit könne auch von einer guten Sekretärin übernommen werden.

Solches Lob hört man in den Vorzimmern gern. Doch auf die Dauer wollen sich die tippenden, telephonierenden und organisierenden Damen mit unverbindlich verbaler Anerkennung nicht zufrieden geben. Immer mehr Sekretärinnen arbeiten nicht nur an der Bewältigung ihrer täglichen Bürolast, sondern auch an ihrer eigenen Weiterbildung. Ihr angesteuertes Schulungsziel ist der neue Titel: „geprüfte Sekretärin“.

Seit zwei Jahren gibt es diesen vom Gesetzgeber anerkannten Prüfungsabschluß, der etwas Ordnung in die diffuse Berufswelt der Bürohelferinnen bringen soll. Denn die immer noch ungeschützte Bezeichnung „Sekretärin“ ist ein Begriff, der nahezu alle umfaßt, die je einen Geschäftsbrief geschrieben haben: von der kleinen Tippse bis zur erfahrenen Chefassistentin. Selbst die blutigste Anfängerin der Stenogrammkunst schmückt sich oft mit diesem Namen.

Bei der Suche nach einer qualifizierten Fachkraft bietet nun das Zeugnisdokument „geprüfte Sekretärin“ einem Personalchef in diesem Leistungsdurcheinander die Garantie für ein bestimmtes Wissensniveau einer Bewerberin. Die Prüfungsordnung schreibt detailliert Mindestanforderungen an Schreib- und Formulierfähigkeit, an Organisationstalent sowie Rechts-, Wirtschafts- und Sozialkundewissen vor.

So müssen Prüfungskandidaten 150 Silben und 280 Anschläge pro Minute beherrschen, über eine viertelstündige Sitzung ein Protokoll anfertigen und schriftlich sowie mündlich nachweisen, daß ihnen die Vorbereitung von Tagungen und Dienstreisen, die Postbewältigung und der Umgang mit den komplizierten technischen Bürogeräten keine Schwierigkeiten bereiten.