Cowes klingt für den englischen Segler wie Kiel für den deutschen. „Cowes Week“ und „Kieler Woche“ unterscheiden sich denn auch kaum, was die Tradition angeht. In Kiel sind’s nur mehr die Jollen, in Cowes sind’s die Dickschiffe. Da Dickschiffe zwangsläufig von mehr Leuten bedient werden müssen, bläht sich das verträumte, verwinkelte Hafennest auf der ferienträchtigen Isle of Wight während des alljährlichen Großseglertreffens wie ein abgeklemmter Luftballon ruckartig um 5000 segelnde Menschen plus Anhang auf.

Cowes hat im Laufe der Jahrzehnte verdauen gelernt. Die Einheimischen, sonst geteilt durch das Flüßchen Medina in „People of East Cowes“ und „West Cowes“, beweisen Einheitlichkeit in ihrem Fluchtverhalten. Man läßt die Insel den Besuchern und vermietet jedes Zimmer zu horrenden Preisen. Womit der Urlaub im Lake District, in Englands Nordwesten, gesichert ist.

Nun hat in England zwar das meiste, aber doch nicht alles, was gut ist, auch Tradition. Der Admiral’s Cup zum Beispiel hat keine besonders große Tradition. Er ist erst seit 1957 das Nonplusultra jeder Cowes Week mit krummer Jahreszahl. Ein englischer Adeliger, Sir Myles Wyatt, damals Admiral der noblen Royal Yacht Squadron, machte sich Gedanken darüber, wie man wohl andere Segelnationen auf englische Gewässer bekommt, um ihnen dann zu zeigen, daß Englands Segler die besten sind. Er stiftete mit vier weiteren Herren einen riesigen goldenen Henkeltopf, nannte ihn Admiral’s Cup und sprach, an die anderen segelnden Länder gewandt, das Wort „encourage“ aus.

Mut hatten zunächst nur die Amerikaner, von denen man nicht genau wußte, was sie mehr trieb: das reine Abenteuer oder der scheußliche Pokal. Die Herausforderung zur See wurde in diesem Jahr von 19 Nationen angenommen. Insgesamt haben sich schon 27 Länder beteiligt. Einige verschwinden wieder in der Versenkung und werden – wie die Polen – einer Welle gleich wieder nach oben getragen.

Die elf Admiral’s-Cup-Serien haben deutlich gezeigt, daß die Frage vor allem heißen muß: Wer kann England am meisten gefährden? – und nicht: Wer wird gewinnen? Zweimal erst konnten sich die Amerikaner, je einmal Australien und Deutschland durchsetzen. Das Geheimnis dieses Wettbewerbs lautet: Nur mit drei gleichwertigen Booten besteht eine Siegeschance, und jeder muß für den anderen segeln.

Im deutschen Team 1977 segelten nur zwei gleichwertige Yachten – und nicht einmal unbedingt füreinander. Die Zweitonner (32 ft. rating) „Pinta“ und „Champagne“ waren von der Konstruktion her und von der seglerischen Leistung echte Herausforderer. Die „Duva“ des Kieler Arztes Dr. Lubinus war als Modell 75er Baujahr veraltet und nur noch bei sehr starkem Wind konkurrenzfähig.

Hans OttQ Schümann, der sich mit seiner „Rubin“ in den „windigen“ deutschen Qualifikationen dem Schwesterschiff „Duva“ überlegen zeigte, war nicht im Team. Schümann hielt die „Rubin“ (35,7 ft. rating), die noch 1975 zu den schnellsten Yachten gehörte, mit leichten Modifikationen auch 1977 noch für gut genug, „weil Konstruktion und Bootsbau an ihre Grenzen gestoßen sind“.