Der Rücktritt von Albrecht Hasinger als Hauptgeschäftsführer der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) – auch CDU-Sozialausschüsse genannt – hat massive Querelen offenbart. Hasingers Abgang war zwar seit der Wahl von Norbert Blüm zum neuen Vorsitzenden der Sozialausschüsse und Nachfolger Hans Katzers schon im Mai beschlossene Sache, nun aber geht es um ganz handfeste finanzielle Interessen.

Norbert Blüm nämlich ist ein Vorsitzender ohne Kasse. Auf die hält sein Vorgänger Hans Katzer – noch immer verärgert darüber, daß Blüm ihn ablöste – störrisch den Daumen. Das hängt mit der engen Verzahnung der Sozialausschüsse mit der Jakob-Kaiser-Stiftung zusammen, deren Vorsitzender Katzer ist.

Die Stiftung ist praktisch Geldgeber der Sozialausschüsse, was zu der kuriosen Situation führt, daß der neue Vorsitzende Blüm bei der Wahl und Bezahlung seiner Mitarbeiter nicht den gebührenden Einfluß nehmen kann.

Zwar wurde schon auf der letzten Vorstandssitzung vor mehreren Wochen beschlossen, daß diese Art der Kassenführung nicht mehr aufrechterhalten werden könne, geschehen ist bisher jedoch nichts. Die Kassenführung soll Wolfgang Voigt, Bundestagsabgeordneter und CDA-Vorstandsmitglied, übertragen werden, entweder per Vollmacht oder durch einen Verzicht Katzers auf seine Rechte. Katzer indes weigert sich beharrlich.

Auf der nächsten Vorstandssitzung der Sozialausschüsse Anfang September soll nun Fraktur geredet werden. Ein Vorstandsmitglied: „Da wird es Schrammen geben.“ Es gehe schließlich nicht an, daß ein einzelner Mann, mag er auch noch so viele Meriten haben, die Arbeit der Sozialausschüsse nur aus Verärgerung über eine ihm nicht genehme aber demokratisch eindeutige Nachfolgerwahl behindere.

Wen immer man derzeit bei den Sozialausschüssen fragt, selbst solche Mitarbeiter, die Blüm gegenüber kritisch eingestellt sind, schütteln über Katzer den Kopf. Ein Vorstandsmitglied: „Jetzt verliert er auch noch seine letzten Freunde.“ Eine Erklärung für sein Verhalten wird darin gesehen, daß Hans Katzer Stimmung und Situation in den Sozialausschüssen wie schon bei der Kandidatur von Blüm nicht mehr richtig einzuschätzen vermag. Die Hauptschuld daran wird aber seinem engen Berater Albrecht Hasinger nachgesagt. Wolfgang Hoffmann