Das Rätselraten hat ein Ende. Karl Klasen, der Ende Mai sein Amt als Präsident der Deutschen Bundesbank an Otmar Emminger weitergegeben hat, wird im nächsten Jahr unter der Voraussetzung, daß er von der Hauptversammlung gewählt wird, in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank eintreten. In der Deutschen Bank wird es für selbstverständlich gehalten, daß Klasen wieder zurückkommt.

Karl Klasen war mehr als dreißig Jahre bei der Deutschen Bank, siebzehn davon im Vorstand, ehe er 1969 vom damaligen Bundeswirtschaftsminister Karl Schiller als Nachfolger Karl Blessings an die Spitze der Deutschen Bundesbank geholt wurde. Schiller suchte damals einen Mann mit der Autorität eines langgedienten Bankpraktikers, der auch für die Sozialdemokraten akzeptabel war. Klasen, seit 1931 Mitglied der SPD und erfolgreicher Bankier, der als Präsident der Landeszentralbank Hamburg von 1948 bis 1952 auch Zentralbankerfahrung gesammelt hatte, war dieser Mann.

Er war damals jedoch nicht leicht zu haben. Als Vorstandsmitglied der Deutschen Bank hatte er sich inzwischen an ein Einkommen gewöhnt, an das das Gehalt eines Bundesbankpräsidenten nicht herankam, selbst dann nicht, als das Salär des Bundesbankpräsidenten auf Klasens Wunsch von Schiller auf eine dem Amt angemessene Höhe gebracht worden war.

Das finanzielle Opfer war jedoch nur die eine Seite der Angelegenheit. Klasen machte damals kein Hehl daraus, daß er sich im Kreise seiner Kollegen außerordentlich wohl gefühlt habe. Sie ließen ihn auch ungern ziehen. Aber, so hieß es damals, die Deutsche Bank wollte den Klagen darüber, daß sich so wenige geeignete Männer für öffentliche Ämter zur Verfügung stellten, den Boden entziehen.

Schon damals galt es als ausgemacht, daß Klasen wieder in den Schoß der Deutschen Bank zurückkehren würde, wenn er aus dem Amt des Bundesbankpräsidenten ausscheidet. Bei der Deutschen Bank heißt es, dazu habe es gar keiner mündlichen oder gar schriftlichen Vereinbarung bedurft. Er wäre sogar wieder in den Vorstand zurückgekehrt, wenn er noch im vorstandsfähigen Alter wäre. Doch dieser Weg stand Klasen, inzwischen 68 Jahre alt, nicht mehr offen. Bei der Deutschen Bank gilt das ungeschriebene Gesetz, daß ein Vorstandsmitglied im Anschluß an die Hauptversammlung ausscheiden muß, die dem Jahr folgt, in dem das Vorstandsmitglied das 65. Lebensjahr vollendet hat.

Für Klasen bleibt also nur die Rückkehr in den Aufsichtsrat. Der Aufsichtsratsvorsitzende Franz Heinrich Ulrich wird nach Rücksprache mit dem Aufsichtsrat der nächsten Hauptversammlung, die am 18. Mai 1978 in Berlin stattfinden wird, die Wahl Klasens vorschlagen. Die Gerüchte, Klasen solle Ulrichs Stellvertreter werden, entbehren schon deshalb jeder Grundlage, weil der Aufsichtsrat von 1978 an nach dem Mitbestimmungsgesetz gebildet wird. Danach muß der Stellvertreter des Vorsitzenden ein Arbeitnehmervertreter sein.

Eine vage Möglichkeit, Stellvertreter Ulrichs zu werden, bestünde theoretisch nur, wenn einer der 14 Aktionärsvertreter vor der nächsten Hauptversammlung aus dem Aufsichtsrat ausscheiden würde. Dann könnte der Vorstand den Registerrichter bitten, Klasen als Nachfolger zu bestimmen. Nur dann könnte er bis zum Inkrafttreten des Mitbestimmungsgesetzes Stellvertreter Ulrichs sein.