Anti-Atomdorf Grohnde geräumt

Der Übermacht von etwa 1000 mit Schutzschilden und Schlagstöcken bewaffneten Polizeibeamten wichen am Dienstag die Bewohner des Anti-Atomdorfes in Grohnde. Es gab keine schweren Zwischenfälle. Die Polizei stellte die Personalien der Bewohner fest und durchsuchte ihre persönliche Habe. Die rund 100 Kernkraftgegner, dazu nach Angaben der Polizei „ein Dutzend Hühner, ein Schwein, mehrere Hunde und Kaninchen“, wollten ihre Aktion ursprünglich bis zum endgültigen Baustopp durchhalten, der nach einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts Hannover nicht vor Oktober wirksam wird. Da nach Meinung des zuständigen Regierungspräsidenten von Hannover ein friedlicher Abzug offenbar nicht zu erwarten sei, erteilte er den Räumungsbefehl. Seine Begründung: Die Besatzer gefährden die öffentliche Sicherheit und Ordnung. Ferner bestehe die Gefahr von Zusammenstößen und Tätlichkeiten zwischen Besetzern und Bauarbeitern auf dem Gelände. Gleich darauf wurde mit der Errichtung eines Bauzaunes auf dem Gelände begonnen.

Verzögerungstaktik

Gegen den Vorwurf aus Bonn, bei den Probebohrungen für das geplante Entsorgungszentrum in Gorleben Verzögerungstaktik zu betreiben, hat sich der niedersächsische Ministerpräsident Albrecht zur Wehr gesetzt. Seiner Meinung nach sollen die Bohrungen, die zudem nur wenige Wochen in Anspruch nähmen, den Abschluß der Standortprüfung für Gorleben bilden. Probebohrungen hätten spektakulären Charakter und würden voraussichtlich die Gegner der Kernenergie wieder auf den Plan rufen. Die theoretischen Prüfungen des Konzeptverfahrens seien ohne Bohrungen möglich, da der Untergrund aus früheren Untersuchungen hinreichend bekannt sei.

Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt in Braunschweig, die mit der Durchführung des Planfeststellungsverfahrens beauftragt ist, hält die Probebohrungen jedoch für notwendig. Sie wird einen solchen Antrag in einigen Wochen stellen.

Phantastische Pläne

Spitzbergen oder Grönland als Lagerstätte für europäischen Atommüll hat Ministerpräsident Albrecht ins Gespräch gebracht. Da sich die Notwendigkeit zum Bau von Atomkraftwerken in den Nachbarländern genauso stelle wie in der Bundesrepublik, sei es geboten, gemeinsam über die Möglichkeiten eines Entsorgungszentrums nachzudenken.