Die internationale Bruderschaft der Funker ist auf die Sowjetunion nicht gut zu sprechen, weil sie neuerdings vom Militär der UdSSR bei ihrer Arbeit erheblich gestört wird – durch das „Maschinengewehr“. So tauften die Funker das auf allen Kurzwellenbändern hörbare Knattergeräusch, das den weltweiten Funkverkehr – etwa den Schiffs- und Flugfunk oder die Arbeit der Notrufnetze – behindert und oft unmöglich macht.

Warum knattern die Sowjets im Äther? Sie erproben ein Kurzwellen-Radar, ein Gerät, mit dem sie dies tieffliegenden und darum von gewöhnlichen Radargeräten nicht erfaßbaren unbemannten Marschflugkörper – die Cruise Missiles – der Amerikaner ausmachen wollen.

Gewöhnliche Radargeräte stören den Funkverkehr nicht, weil sie ihre Signale auf den extrem kurzen Mikrowellen ausstrahlen. Ihr Nachteil: Mikrowellen verhalten sich wie Lichtstrahlen, sie können also nicht über den Horizont „hinwegsehen“.

Tieffliegende feindliche Flugkörper aber müssen, soll die Abwehr überhaupt erfolgreich sein, schon jenseits des Horizonts erkennbar sein, sonst kommt jede Gegenmaßnahme zu spät.

Radar, also eine Echolotung mit Hilfe von Radiostrahlen, ist prinzipiell auch mit längeren Wellen möglich. Wenn nämlich ein Flugkörper in kurzen Abständen und mit wechselnden Wellenlängen angestrahlt wird, lassen sich die diffusen Echos mit Hilfe eines Computers sehr wohl zu einer exakten Orts- und Bahnbestimmung zusammenrechnen. Auf den Kurzwellen aber ist die Reichweite so gut wie unbegrenzt: Sie werden von der Ionosphäre reflektiert.

Dies nutzen die Sowjets seit ungefähr einem Jahr aus. Sie schicken in schneller Folge extrem starke Impulse zu nicht vorhersehbaren Zeiten in den Äther, die über sämtliche Kurzwellenbänder hinwegfegen.

In Kürze wird sich der Zorn der Funker auch nach Westen richten. Denn die Amerikaner bauen auch ein „Maschinengewehr“.