Militär und Management stützen den Neuen Kurs

Fast ein Jahr hat Maos Nachfolger Hua gebraucht, bis er einen Parteitag zusammenrufen und der neuen Führungsmannschaft durch einen Wahlakt jene demokratische Legitimation verschaffen konnte, auf die auch ein totalitäres Regime nicht verzichten kann. In den amtlichen Berichten über den Kongreß, der in aller Heimlichkeit tagte, heißt es sogar, die mehr als 1500 Delegierten hätten ausgiebig diskutiert. Es läßt sich denken, daß viele der in der Kulturrevolution gebeutelten Funktionäre, die nach langer Unterbrechung wieder ins Zentralkomitee einziehen durften oder nicht länger um ihre Posten bangen müssen, ihren Triumphgefühlen freien Lauf lassen wollten. Hua Kuo-feng muß ihnen nach dem Herzen gesprochen haben, als er verkündete, mit dem Sturz der sogenannten Vierer-Bande um Maos Witwe sei die Erste Große Proletarische Kulturrevolution sieghaft beendet worden – eine Bemerkung, die ehemaligen Rotgardisten wie Hohn in den Ohren klingen muß, hatte doch Mao Tse-tung bereits zweimal die Kulturrevolution abgeblasen.

Jedenfalls hat der Parteiapparat auf ganzer Linie gesiegt und den mehrmaligen Ansturm der Kulturrevolutionäre überstanden. Symbolisch dafür ist die zweite Wiederkehr des einstigen Generalsekretärs und amtierenden Regierungschefs Teng Hsiao-ping. Mehr als ein Drittel des alten, 1973 gewählten Zentralkomitees ist bei den Säuberungen der letzten Monate auf der Strecke geblieben.

Kleinerer Führungskern

Manch kühne Spekulation über die Zusammensetzung der neuen Parteiführung ist zerstoben. Jene, die den 57jährigen Hua Kuo-feng immer noch für einen Übergangskandidaten halten, müßten nachdenklich werden, wenn sie nun die Lobeshymnen des greisen Marschalls Yeh auf den „weisen Führer“ Hua hören, auf jenen Vorsitzenden, der „unsere Partei, unsere Armee und unser Volk siegreich ins 21. Jahrhundert führen wird“. Die Worte des fast 80 Jahre alten Bürgerkriegsveteranen haben Gewicht – Yeh war ein Freund Tschou En-lais und ist der anerkannte Sprecher der Armee. Militär und Management, die tragenden Säulen der Herrschaft Huas, wollen Stabilität und Kontinuität, erstreben eine gleichmäßige wirtschaftliche Entwicklung des Riesenreiches, ohne revolutionäre Störungen.

Der Führungskern der Partei und damit des Staates, der sogenannte Ständige Ausschuß des Politbüros, ist verkleinert worden. Zu Maos Zeiten, 1973, bestand er noch aus neun Mitgliedern. Fünf waren inzwischen gestorben, drei ausgeschlossen – nur der greise Verteidigungsminister Yeh ragte nach wie vor wie ein Relikt in die neue Zeit. Er wird unter den vier Stellvertretern des neuen Parteivorsitzenden als erster genannt. Dieser Parteivorstand ist zugleich der Ständige Ausschuß: neben Hua und Yeh der rehabilitierte 73 jährige Teng, der gleichaltrige Finanzfachmann Li Hsien-nien und der 60jährige einstige Chef der Leibgarde Maos, Wang Tung-hsing.

Die Revolutionsveteranen und Technokraten Yeh, Teng und Li bürgen dafür, daß Tschou Enlais ehrgeiziges Entwicklungsprogramm endlich entschlossen angepackt wird, mit dem Ziel, China bis zum Jahr 2000 in einen führenden Industriestaat zu verwandeln. Hua und Wang zählen zur mittleren, noch ein wenig blassen Generation der Parteiaufsteiger. Über die Qualitäten, den Einfluß und den Anhang Wangs ist wenig bekannt. Er kommandierte die Sicherheitsgruppe 8341, die für den persönlichen Schutz der Partei- und Staatsführung verantwortlich ist. Bei den Machtkämpfen nach Maos Tod schlug sich Wang auf die Seite, der Gegner Tschiang Tschings – ohne seine Hilfe und die der Militärs hätte Hua kaum das „Banner Maos“ aufnehmen können. Er fungiert jetzt als eine Art Kanzleichef der Partei und kann noch Karriere machen.