Die Umorganisation des Bundeskartellamtes in Berlin ist kein Indiz für eine neue Kartellpolitik. Die wird ohnehin in Bonn und nicht in Berlin gemacht.

Wolfgang Kartte, als Präsident des Kartellamtes nun ein Jahr im Amt, will aus den verschiedenen Abteilungen seines Hauses mit ihren manchmal rivalisierenden Auffassungen und Kompetenzen eine einheitliche und schlagkräftige Behörde machen. Es soll mehr koordiniert, mehr kooperiert und mit einer Zunge gesprochen werden. Einige Beschlußabteilungen, die bisher zu sehr im Schatten der Kartellpolitik gestanden haben, sollen durch neue Aufgaben wieder motiviert werden. An Stelle der volkswirtschaftlichen Abteilung, die nach Karttes Geschmack zu praxisfern war, tritt eine „Organisationseinheit Grundsatzfragen“, über die Kartte sicherlich auch einigen Einfluß auf das ganze Amt nehmen will.

Das alles bringt so manches personelle Revirement mit sich, das auch Unruhe stiftet. Aber die mächtigen Abteilungsvorsitzenden und ihre Kompetenzen bleiben unangetastet. Gegen seine selbstbewußten Direktoren wird auch Kartte das Amt nicht führen können – wenn er dies je gewollt hätte. jn