Deutsche Agrarprodukte erobern den französischen Markt

Es ist kaum zu glauben, aber wahr: Seit Generationen rümpfen die Franzosen die Nase, wenn von deutscher Küche die Rede ist – und jetzt wählten sie ausgerechnet ein deutsches Restaurant zum besten Botschafter ausländischer Gaumenfreuden in Frankreich.

Der Prix Marco-Polo wurde in diesem Sommer erstmals von zehn Gastronomie-Journalisten, zwei Küchenchefs und einem Restaurantbesitzer vergeben. Die Wahl der durchweg renommierten Freßpäpste fiel auf das Pariser „Au Vieux Berlin“, ein nicht gerade billiges, stets vollbesetztes Restaurant, das Germanisches vom Eisbein mit Erbspüree bis zur Roten Grütze bietet. Der Eßkritiker des Quotidien du Medecin: „In diesem Restaurant kann man die Entdeckung machen, daß es eine echte deutsche Küche gibt, die nicht uninteressant ist.“

„Die Deutschen essen nur, um sich zu ernähren“, mokieren sich die Franzosen gern. Doch offensichtlich kommen sie langsam auf den deutschen Geschmack. Der Beweis: 1976 wanderte Käse im Wert von 52 Millionen Mark aus deutschen Landen frisch auf den gallischen Tisch, doppelt so viel wie 1973. Die deutschen Fleisch- und Wurstexporte nach Frankreich erreichten im vergangenen Jahr gar einen Wert von über 460 Millionen Mark (1973: 214 Millionen Mark).

Hinter dem verblüffenden Erfolg deutscher Nahrungsmittel in Frankreich steht nicht zuletzt die Centrale Marketinggesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA). Sie hat vor zehn Jahren das preisgekrönte Vieux Berlin aufgemacht und betreibt gleich um die Ecke noch einen kleinen Laden mit deutschen Spezialitäten. Ihr Pariser Büro müht sich um deutsche Exporteure ebenso wie um französische Importeure. Und wenn Pariser Metrofahrer riesige Plakate mit der Inschrift „Seit jeher versteht man in Deutschland auch, guten Käse zu machen“ zu sehen bekommen, dann geht das ebenfalls auf ihr Konto.

Rolf Dieter Nufer, Chef des Pariser CMA-Büros unweit der Champs-Élysées, ist um Werbe- und Kontaktideen nie verlegen. Sein Elan wird zwar nach wie vor durch das Nudel- und Kartoffelimage deutscher Kost gebremst. Doch Nufer ist optimistisch: „Die Franzosen sind für Essen immer aufgeschlossen. Wir werben nicht ‚Eßt deutsch‘, sondern „Deutsches Essen kann auch schmecken‘.“ Bisher ist diese Rechnung voll aufgegangen. Denn die deutschen Agrarexporte nach Frankreich waren 1976 (1,3 Milliarden Mark) fast dreimal so umfangreich wie 1970.

Der Kampf um den gallischen Gourmet setzt zunächst auf der Ebene des Importeurs an. Er wird systematisch über das deutsche Angebot informiert und mit deutschen Partnern in Verbindung gebracht.