Einige Anträge der Basis zum Gewerkschaf tstag der IG Metall stellen unser Wirtschaftssystem zur Diskussion

Den Vogel hat die Verwaltungsstelle Bremen der IG Metall abgeschossen: „Ziel der Arbeitszeitpolitik sollte eine tägliche Arbeitszeit von sechs Stunden und 30 Stunden wöchentlich bei vollem Lohnausgleich sein“, schrieb sie in einen Antrag zum bevorstehenden Gewerkschaftstag ihrer Organisation.

Anträge zu Gewerkschaftstagen zeigen sehr klar auf, wo die Arbeitnehmer der Schuh drückt und was sie von ihren Führern, letztlich aber auch von der Regierung und dem Parlament erwarten. Und das klingt im Fall der IG Metall – mit fast zweieinhalb Millionen Mitgliedern die größte Einzelgewerkschaft – ganz anders als die arbeitsmarkt- und wirtschaftspolitischen Rezepte, die Bundeskanzler und Gewerkschaftsmitglied Schmidt (SPD) und sein Wirtschaftminister Friderichs (FDP) mit dem Kabinett diskutieren.

Was da von der Gewerkschaftsbasis gefordert wird, zeugt von einer tiefen Skepsis gegenüber der Marktwirtschaft und drängt auf staatliche Aktionen, um Arbeitsplätze zu schaffen und zu sichern. Investitionskontrolle oder -lenkung, ein Vollbeschäftigungsgesetz oder auch die Verankerung eines „Rechts auf Arbeit“ im Grundgesetz sind hierfür typische Stichworte aus dem, Forderungskatalog.

Was ficht’s die Gewerkschafter dabei an, daß ein Vollbeschäftigungsgesetz die Arbeitslosigkeit sowenig würde verhindern können, wie es das seit zehn Jahren existierende Stabilitätsgesetz vermochte, das die Regierung darauf verpflichtet, für einen „hohen Beschäftigungsstand“ zu sorgen? Aktion um der Aktion willen ist noch keine praktikable Politik.

Das gilt vor allem auch für die Forderung nach Arbeitszeitverkürzung, nach der 35-Stunden-Woche, auf die sich die Basis nun anscheinend kapriziert hat. Schließlich sollte inzwischen auch der kleinste Gewerkschaftsfunktionär einer Ortsverwaltung wissen, daß eine Arbeitszeitverkürzung zwar Arbeitsplätze schaffen kann, daß diese aber gegenwärtig kaum besetzt werden könnten.

Schon jetzt herrscht gerade in der Metallindustrie ein harter Wettbewerb der Unternehmen um jeden Facharbeiter. Und in den Ballungsgebieten sind auch kaum noch angelernte Arbeitskräfte zu finden. Eine Verkürzung der tariflichen Arbeitszeit würde also im Augenblick nur eine Vermehrung der Überstunden bedeuten und die Lohnkosten erhöhen. Und das kann wohl nicht der Sinn der Sache sein.