Schlesien ist deutsch, und Schlesier sind Deutsche, basta. Die Niedersachsen, Schlesiens selbsternannte Paten, müssen das wissen. Wenn nicht, dann müssen sie es lernen.

Ein von zwei CDU-Ministern empfohlener Wettbewerb für die Schüler aller achten Klassen gibt ihnen eine exemplarische Möglichkeit dazu.

„Schlesien – ein Kapitel europäischer Geschichte“ hat man am Leine-Ufer auf ein Heftchen geschrieben, mit dem die Quartaner und ihre Eltern „Geschichte in ihren wirtschaftlichen, sozialen, politischen, kulturellen und internationalen Zusammenhängen kennen und besser verstehen“ lernen sollen. Der Landesregierung war das 50 000 Mark wert.

Schließlich hat der niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht immer sehr wohlwollend nach Osten geblickt, im Bundesrat die Ratifizierung der Polen-Verträge ermöglicht und in Danzig. den Polen ihren beachtlichen Anteil an der europäischen Kulturgeschichte bestätigt.

Da irritiert es, wenn Hannovers Sozialdemokraten diesen Schlesien-Wettbewerb schlechtmachen, den Bundesaußenminister schriftlich zur Schadensverhütung auffordern und sogar den Kanzler informieren. Den Schülern muß das vorkommen, als wollten gar nicht alle demokratischen Parteien „einen Beitrag leisten zur Verständigung und Toleranz unter den Völkern“, so wie es die Minister Hasselmann und Remmers ins Wettbewerb-Vorwort geschrieben haben. Da die SPD in einem Kommentar zu dem Schlesien-Rätsel jedoch die Antworten gleich mitliefert, ist der Pennäler beruhigt; ein Preis ist ihm sicher. Eine fundierte Kenntnis der schlesischen Geschichte aber nicht.

Die 22 Fragen lenken den bei der Antwortsuche lernenden Schüler auf einem bedenklichen Kurs um die deutsch-polnische Problematik herum. Auch die beigefügten Aufsatzthemen lassen wenig Raum für eine kritischausgewogene Betrachtung historischer Zusammenhänge. Dafür werden die Niedersachsen spätestens jetzt in allen urdeutsch-schlesischen Geschichtszahlen, Namen und Ereignissen schlau, je mittelalterlicher, desto schlauer. Sie lernen die Namen von Marktplätzen, von Fürstengeschlechtern, Schlachtfeldern, von einem Berggeist und die Geburtsorte deutscher Dichter. Sie erfahren die Bezeichnung für jenes schlesische Leibgericht, dessen Zutaten Backobst, Frischobst, Kartoffeln und Bauchfleisch sind: Schlesisch Himmelreich. Und sie merken sich, daß Gebirgs-Rasthäuser eben Bauden genannt werden. Polens Teilungen, eine genaue Abhandlung des Volksentscheids 1921, die politische Entwicklung, die zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs geführt hat, polnische Nachkriegsgeschichte, eine europäische Sichtweise also, das fehlt.

Die SPD-Kritik befürchtet Rückschläge bei der Ost-West-Verständigung, der Vorwurf des Revanchismus kommt nicht nur von Politikern. Die Landesregierung habe den Niedersachsen und den Schlesiern einen schlechten Dienst erwiesen, meinen viele Eltern und Lehrer. Patent schlug ein Pädagoge vor, aus den Quizfragen einfach Aufsatzthemen abzuleiten. Aus 11c etwa. Da ist der Name eines Dichters gefragt, Johannes Scheffler, später Angelus Silesius. Als Ratehilfe ist ein Wort Ton ihm abgedruckt: „Mensch, werde wesentlich!“