Zwischen St. Gallen und Genf, Chiasso und Basel haben die Banken bisher jeden Hinweis auf den mangelnden Einlegerschutz mit der Bemerkung abgetan, Kleinsparer seien praktisch noch hie zu Schaden gekommen. Doch das stimmt nur zur Hälfte. Wer Sparhefte oder Sparkonten bis zum Maximalbetrag von 10 000 Franken besaß, büßte in der Tat auch im Konkursfalle nichts ein. Nach dem Schweizer Konkursrecht fallen Forderungen bis zu 5000 Franken in die privilegierte Forderungsklasse drei, weitere 5000 in Klasse zwei.

Kleinsparer, die mehr auf dem Sparkonto hatten, haben jedoch ebenso Schäden hinnehmen müssen wie solche, die ihr Geld auf Depositen-, An- und Einlageheften sicher wähnten. Wenn das Wort „Spar“ in der Anlageform nicht vorkommt, gilt nämlich das Konkursprivileg nicht.

Ein „Feuerwehrfonds“ wie ihn die privaten Banken in der Bundesrepublik nach der Herstatt-Pleite ins Leben gerufen haben, wird in der Schweiz mit den gleichen Argumenten abgelehnt, die früher nördlich des Rheins vorgetragen wurden. Die „guten“ Banken wollen nicht für die „schlechten“ haften und damit die Konkurrenz, die ihnen mit attraktiven Zinsangeboten die Kunden wegschnappt, gleichsam am eigenen Busen nähren.

Doch der Chiasso-Skandal der Schweizerischen Kreditanstalt hat wie die Herstatt-Affäre in der Bundesrepublik den Ball ins – Rollen gebracht. Die Eidgenössische Bankenkommission hat ihre Chance als Aufsichtsbehörde erkannt und den Banken das Messer auf die Brust gesetzt. Falls die Banken nicht in einer angemessenen Frist Vorschläge für eine freiwillige Einlagensicherung unterbreiten, will die Bankenkommission den Gesetzgeber bemühen, der dann eine obligatorische Einlagensicherung für alle Kreditinstitute beschließen soll. Die Ähnlichkeiten im Verfahren, die sich beim Vergleich mit dem Vorgehen des Bundesfinanzministeriums in Bonn aufdrängen, sind sicher nicht rein zufällig.

Auch die Wirkung war gleich. Die Schweizerische Bankenvereinigung prüft inzwischen Lösungsmöglichkeiten. Auch sie gibt, wie seinerzeit der Bundesverband Deutscher Banken, einer freiwilligen vertraglichen Lösung gegenüber einer gesetzlichen Lösung den Vorzug. Dem Präsidenten der Bankenkommission schwebt eine Einlagenversicherung vor, bei der die Prämien je nach Bonität des Instituts gestaffelt sein könnten, ähnlich wie bei der Autohaftpflicht. Die Banken sind dagegen.

Wie der Einlegerschutz in der Schweiz schließlich aussehen wird, ist gegenwärtig noch völlig offen. Sicher ist jedoch, daß es der Bankenvereinigung nicht gelingen wird, die Aufsichtsbehörde von der Undurchführbarkeit zu überzeugen. Auch in Helvetien ist der Fortschritt nicht aufzuhalten.