Hand aufs infarktbedrohte Herz: Wer hätte sich nicht schon einmal mühsam das spöttische Lächeln verkniffen bei der Begegnung mit einem jener im Trainingszeug strampelnden Zeitgenossen, die uns vorzugsweise an Wochenenden die Trimm-Bewegung über den Spazierweg schickt? Und wer hätte dabei nicht zugleich das leise Klopfen des schlechten Gewissens verspürt: Angesichts der eigenen ungetrimmten traurigen Figur müßte man eigentlich ja selber...

Trimm Dich! heißt der kategorische Imperativ, mit dem uns der Deutsche Sportbund seit nunmehr sieben Jahren in die lahmen Glieder fährt. Im Frühjahr 1970 startete die Aktion "Sport für alle" als Kampagne gegen die Gefahren der körperlichen Trägheit. In einer Bestandsaufnahme der Zivilisationsschäden rechneten die Gesundheitsexperten des Sportbundes den Müden im Lande vor,

daß Bewegungsmangel eine der Hauptursachen für die jährlich 250 000 Fälle von Herzinfarkt in der Bundesrepublik ist,

daß jedes zweite Kind mit chronischen Störungen in die Schule kommt,

daß zwei Drittel der Arbeiter und Angestellten zehn Jahre vor dem Erreichen des Pensionsalters aus dem Erwerbsleben ausscheiden, was die Volkswirtschaft mit Milliardenbeträgen belastet,

daß andererseits die durchschnittliche Lebensdauer von Menschen, die lebenslang Sport treiben, nach Untersuchungen um sieben Jahre länger ist als die der körperlich Untätigen.

Gründe genug, nach den fetten die fitten Jahre einzuläuten. Der Sportbund schickte uns Trimmi auf den Hals. Ein Hosenmatz wurde zum Vorturner der Nation. Von Litfaßsäulen und Leinwand, aus Fernsehspots, Anzeigenseiten und Werbebroschüren springt uns seither der kleine Einpeitscher entgegen, ständige Mahnung an unsere Sünden wider den Leib.