Nach der ersten offiziellen, Runde zwischen Michael Kohl und Hans-Jürgen Wischnewski sieht es ganz und gar nicht danach aus, als ob die neuen deutsch-deutschen Gespräche bald zu Ergebnissen führen würden. Wünsche und Standpunkte sind weit voneinander entfernt. Da hätte es im Kalkül des innerdeutschen Ministers Egon Franke liegen können, die Verhandlungen mit seinem Rat flottzumachen, daß die Anerkennung einer eigenen DDR-Staatsbürgerschaft für Bonn nicht von vornherein tabu sein sollte – auch um den Preis, daß er sich damit selbst bei seinen politischen Freunden in die Nesseln setzen und sie zu harscher Distanzierung zwingen würde, wie es geschehen ist.

Tatsächlich aber hat es den Anschein, daß sich der Nothelfer aus eigenem Auftrag weder seine Aktion noch die Reaktion darauf überlegt, sondern, frisch aus dem Urlaub, einfach töricht losgeredet hat. Beim mühsamen innerdeutschen Kleinkram nicht ohne Geschick und Verdienste, bricht der Minister bei größeren Unternehmen häufig ein. Bisher schaufeln ihn seine Kanalarbeiter immer wieder heraus. Aber wer so unbedacht Sappen auf heikles Gelände vortreibt und Verhandlungsschaden anrichtet, sollte politisch doch endlich verschüttgehen. c.-c. k.