Der Beruf des Fernsehjournalisten wird weiter an Attraktivität gewinnen, wenn nur noch Gefälligkeitssendungen produziert werden. Redakteure, denen Karriere vor Kritik, und Politiker, denen Proporz vor Programm geht, würden sich dann durch nichts mehr behindert fühlen. Und auch die Sender kämen besser mit den Gebühren aus.

Beim Westdeutschen Rundfunk (WDR) in Köln, der Mutterstadt des Klüngelns, wird gegenwärtig für solche Fernsehspiele alles vorbereitet.

Zunächst wurde der partei- und temperamentlose Hans Werner Hübner zum Nachfolger des eigenwilligen Fernsehdirektors Werner Höfer bestellt. Dann meldete sich die CDU und bestand darauf, daß einer der ihren Chefredakteur des wichtigen Programmbereichs Politik und Zeitgeschehen werden müsse. Nach langem Suchen fand sich im Bonner WDR-Studio der Hörfunk-Korrespondent und Rotarier Theo M. Loch, von dem manche meinen, er habe den falschen Mittel-Buchstaben.

Nun waren die Freidemokraten am Zuge. Denn eigentlich fand Verwaltungsrat Willy Weyer, Ex-Landesinnenminister, Sportverbandspräsident, Freidemokrat und als solcher professionelles Zünglein an der Waage, sein Parteifreund Claus Hinrich Casdorff sei mit einer Beförderung dran. Eine breitere Lösung mußte her: Das Trio proporzionale.

Christdemokrat Loch, als Präsident der Europa Union Deutschland ohnehin schon an einen Schwarm von Stellvertretern gewöhnt, bekam zwei WDR-Vizes zugeordnet: Casdorff, dessen hohe gerundete Hemdenkragen einem breiten Publikum aus „Monitor“ und „Weltspiegel“ bekannt sind, und – damit die Rechnung aufgeht – Walter Erasmy, SPD-Mitglied und Regionalprogramm-Größe.

Erfolge bei der Entschärfung von Sendungen kann auch Casdorff vorweisen. Der Freidemokrat, der früher mit dem pfiffigen und inzwischen von ihm ausgebooteten Rudolf Rohlinger im „Monitor Kreuzfeuer“ schon Fragen mit der Durchschlagskraft von Wattebäuschen abschoß, besserte sein Ansehen bei der CDU damit auf, daß er als erster westlicher Journalist das Anti-Interview kreierte. In der „Gegenrede“ dürfen sich Politiker in Endlos-Monologen gegen angeblich ungerechtfertigte Kritik wehren. Und wenn Casdorff gezwungen ist, doch mal eine Frage zu referieren, dann distanziert er sich sofort von deren Inhalt,

Während der ahnungslose Loch sich voller Ehrgeiz als WDR-Repräsentant bei Frühstücksempfängen profiliert, sind die beiden Funkhaus-Matadoren dabei, um die Hausmacht zu kämpfen – als eine Art Macchiavelli-Brothers im Fernsehkanal. Casdorff, der bislang am Vormittag seine Pferde ausritt und sich bestenfalls mal per Telephon vom Stall aus meldete, erscheint schon morgens in der Anstalt. Und Erasmy, der sein Büro in Düsseldorf hat (Türschild: Chefredakteur), ist auch oft im Kölner Funkhaus, obwohl er da nur Vize sein darf.