Diese euphorische Liebeserklärung an die ehemalige kaiserlich königliche Metropole verstummte in, der Zeit des Nachkriegstourisrnus zusehends.

Als Ende der sechziger Jahre Wochenendreisen, und Städte Kurztrips in Mode kamen, zog es zumindest jüngere Reisende eher an die Seine, ins Swinging London, nach Amsterdam, Kopenhagen, ja sogar nach Budapest oder Prag. In den Angeboten der Charterflugunternehmen war Wien kaum zu finden , Inzwischen aber, mit der Wiederentdeckung abhanden gekommener Begriffe wie Gemütlichkeit, der Neuentdeckung von Stimmungswerten wie Nostalgie, dem wachsenden Bedürfnis nach der "Dekadenz" eines Andre" Heller, Georg Danzer oder Ärik Brauer, die ihre schaurig schönen Mundart Balladen audt über den bundesdeutschen Äther verströmen, ist nun auch Österreichs Hauptstadt wieder ein bißchen en vogue.

Langsam aber sicher hat sich das mit dem Nim r bus von verstaubter, unzeitgemäßer Walzerstimmung behaftete Wien somit auch wieder in den Mittelpunkt des Kurzreise Interesses manövriert. Im Zeichen der Nostalgie- und Romantikwelle Hat Wien in der Tat einiges zu bieten: Kaffeehäuser mit frackbeschwänzten Oberkellnern, die "Herr Franz" oder "Herr Carl" gerufen "Werden (man tut also, als kenne man sich schon seit Ewigkeiten); Schlösser und kunstvoll angelegte Parks aus der K u. K -Zeit; geruhsame Spazierwege beispielsweise am Kahlenberg oder im Wienerwald, wo man das Gefühl hat, auf Caspar David Friedrichs Spuren zu wandeln; die WienerWalzer Schule mit etwa tausend Bällen in einer Saison, in der viele Deutsche die Koffer packen, um eine rauschende Ballnacht in einem der alten Palais mit "Walzer rechts rum" und "Walzer links rum" zu erleben; dazu österreichische Spezialitäten wie Tafelspitz und Sachertorte und viele andere Leckereien, die sich durch ungarischen und böhmischen Einfluß in Wien eingebürgert haben; und nicht zuletzt die kulturellen Genüsse, man denke nur an die "Burg", wo noch heute Paula Wessely auf der Bühne steht, die Oper, unlängst durch Kaisers Rückkehr aufgewertet und die mehr als vierzig anderen Theater Wiens > : Besonders weibliche Wochenendreisende haben Wien zu ihrem Wunschziel erklärt. Bei einer, Umfrage nach den Favoriten unter den europäischen Hauptstädten wurden fast 80 Prozent der positiven Äußerungen über Wien von Frauen unter vierzig Jahren abgegeben, während die Herren, die sich für Wien begeistern konnten, zu sechzig Prozent die Fünfzig schon überschritten hatten. Bereits im ersten Halbjahr 1977 konnte der Rurzreisen Spezialisr Äirtours niehr- als 4000 Buchungen in die österreichische Hauptstadt registrieren. Nach Paris, London und Rom steht Wien als Saisonschlager mit hoffnungsvoller Zuwachsrate auf Platz" vier der Städtereisen Hitliste. Wer fürs erste Kennenlernen beispielsweise einen Drei Tage Trip vorhat, muß eine solche Reise rechtzeitig planen. Die Stadtrundfahrt ist natürlich im Reisepreis enthalten, aber Konzerte mit den Wiener Sängerknaben oder die Vorführungen der Spanischen Hofreitschule sind meist bereits ein halbes Jahr im voraus ausgebucht. Auch für Theateraufführungen und spektakuläre Konzerte (Herbert von Karajan) ist es nicht leicht, Karten zu bekommen.

Sogar an den vier- Fiaker Stationen müssen hin und wieder Wartezeiten einkalkuliert werden. Die Kutschen, die von nicht dressurgeeigneten Lipizzanern durch die Stadt gezogen werden, rollen gemächlich; "nur net hudeln" ist ein vielbenutztes Wort bei den Wienern.

Einen Überblick über die Stadt verschafft ii e Fahrt mit dem Riesenrad auf dem Prätef, das in diesem Jahr seinen 80jährigen Geburtstag feiert. Abgesehen davon unterscheidet sich der Prater allerdings kaum von anderen europäischen Vergnügungsparks.

Eine andere lohnende Aussicht bietet sich vom 136 50 Meter hohen Turm des Stephansdoms. Wenn sich das Auge sattgesehen hat, meldet sich der Magen. Jeder möchte natürlich von der berühmten Sachertorte probieren, entwedeüini Hotel Sacher oder beim Konkurrenten, dem Zuckerbäcker Christian Dehmels. Das Cafe Sacher ist leider auf einen Touristennepp heruntergekommen. Die Tortenstucke sind winzig, die Preise astronomisch. Da nimmt man sich besser eine Torte mit, und verspeist sie zu Hause.

#In einen Kurzbesuch kann maa auch einen Ausflug ins Hinterland Wiens einplanen. Da gibt es Touren ins Burgenland, die immer in einem Weinkeller oder beim Heurigen enden. Oder Fahrten in die Pußta zum Neusiedlersee. Hier, in den Lokalen unweit der ungarischen Grenze, spielen Zigeuner ihre wehmütige Musik zum Paprikagulasch auf. Im Reiseprospekt steht: " hier weht uns schon der Pußtawind an!" Die im Artikel erwähnten Drei Tage Trips (zwei ObernachtungenFrühstück) mit Flug ab Frankfurt werden von Airtours und vom Österreichisch Hanseatischen Verkehrsbüro (Große Bleichen 31, v2QOO Hamburg 36 Telephon: [0 40] 35 28 71) anr "geboten. Reist man mit Airtours, bietet sich die Möglich keit, festgelegte Flugtermine ("Flieg mit" Pro gramrn) zu buchen, der Kurztrip kostet dann zwischen 312 und 575 (Hotel Sacher) Mark. Bei einem individuellen Flugtermin erhöht sich der Preis auf 522 beziehungsweise 1185 Mark, eine Stadtrundfahrt ist jeweils Inbegriffen.