Südafrika und Rhodesien standen in der vorigen Woche im Mittelpunkt zweier Konferenzen; der britische Außenminister David Owen und der amerikanische UN-Botschafter Andrew Young wollen vermitteln. Schwarz-Afrika setzt auf Krieg.

Mit einer gemeinsamen Erklärung, jegliche Zusammenarbeit mit Südafrika auf nuklearem Gebiet einzustellen, schloß am Wochenende die fünftägige Anti-Apartheid-Konferenz der Vereinten Nationen in der nigerianischen Hauptstadt Lagos, an der Delegierte aus mehr als 60 Ländern teilnahmen. Sie konnten sich zwar nicht auf ein Handelsembargo einigen, riefen aber alle Regierungen auf, auch wirtschaftliche Sanktionen zu ergreifen, um Südafrika zur Beendigung der Apartheid-Politik zu zwingen.

David Owen und Andrew Young nutzten die Lagos-Konferenz, um die Teilnehmer für einen bislang geheimen Plan zur Beilegung des Rhodesien-Konfliktes zu erwärmen. Die anglo-amerikanischen Vorschläge sollen unter anderem vorsehen: Rücktritt des Premierministers Smith, an dessen Stelle ein britischer Administrator tritt, der den Übergang zur Mehrheitsregierung und freie Wahlen nach dem Prinzip „Ein Mann, eine Stimme“ zu organisieren habe. Ein Hilfs- und Entwicklungsfond von 2,35 Milliarden Mark soll die weißen Rhodesier zum Bleiben ermuntern.

Kernstück des Owen-Young-Plans ist angeblich die Auflösung der Streitkräfte, die in den Rhodesien-Konflikt verwickelt sind. Sowohl die rhodesische Armee als auch die von den sogenannten Frontstaaten (Moçambique, Tansania, Sambia, Botswana und Angola) unterstützten Guerilla-Truppen der „Patriotischen Front“ werden danach entwaffnet und unabhängigen Friedenstruppen unterstellt werden. Diese sollen ferner die rivalisierenden Freiheitsbewegungen des Bischofs Muzorewa und des Pfarrers Sithole (die sich auf keine organisierten Kampfeinheiten stützen, aber große Sympathie unter der schwarzen Bevölkerung besitzen) unter Kontrolle halten und zugleich die weiße Minderheit vor Ausschreitungen der Schwarzen schützen.

Doch die Mission von Owen und Young stieß von Anfang an auf Widerstand. Die Smith-Regierung wies ihren Plan nach den ersten Gerüchten als „unakzeptabel“ und „zynische Zumutung“ zurück. Smith beharrt weiter auf einer „internen Lösung“, dessen Ziel – so eine britische Quelle – ein Wahlrecht ist, das lediglich schwarze Mitläufer produziert, nicht aber eine echte Mehrheitsregierung.

In der sambischen Hauptstadt Lusaka, dem zweiten Ziel der Vermittlungsreise Owens und Youngs, hatten sich die Führer der „Frontstaaten“ mit den Vertretern der „Patriotischen Front“, Mugabe und Nkomo, zu einem Gipfelgespräch eingefunden, um ihrerseits über die Lösung des Rhodesien-Konflikts zu beraten. Sie lehnten die Entwaffnung der schwarzen Untergrund-Kämpfer ab; diese Kräfte müssen nach ihrer Meinung vielmehr die „Oberaufsicht“ über den Wechsel vom derzeitigen „Kriegszustand“ in Rhodesien bis zur Unabhängigkeit gewährleisten.

Der nächste Gesprächspartner der beiden Unterhändler wir Südafrikas Premier Vorster. Ihm als einzigem Verbündeten und wichtigstem Handelspartner Rhodesiens hatten sie die Schlüsselrolle zugedacht, die Regierung in Salisbury durch wirtschaftlichen Druck zum Einlenken zu zwingen. Vorster hatte Smith kurz zuvor jedoch völlig freie Hand bei der Lösung des Rhodesien-Problems erteilt – was nach dem Affront gegen Südafrikas Apartheids-Politik kaum anders zu erwarten war.