Präsident Carters unverwüstlicher. Budget-Direktor Bert Lance ist zwar nicht wie ein Phönix aus der Asche gestiegen. Aber nach den Verhören durch den Senatsausschuß zur Kontrolle der Regierung steht der von seinen Finanzaffären verfolgte Haushalts-Chef doch etwas besser da, als alle Welt geglaubt hätte. Dennoch: Zweifel an seiner persönlichen Integrität sind geblieben. Lance hat nicht alle Fragen beantwortet, die ihm gestellt wurden. Dies mochte ihm um so leichter gefallen sein, als er auch damals, in dem flüchtigen Verfahren, das seiner Ernennung voraufging, keineswegs nach allem gefragt worden war, was er hätte sagen müssen.

Der Senatsausschuß ist gespalten. Auf der Suche nach gutem Rat haben einige Senatoren rasch Zuflucht zu dem festen Boden des politischen Interesses ihrer Partei genommen. Die Presse möchte dem Weißen Haus gern die Zähne zeigen und Lance nicht ungeschoren lassen. Dennoch kann von einem zweiten Watergate nicht mehr die Rede sein. Um seine desolaten privaten Finanzen wird Bert Lance ohnehin von niemandem beneidet. So geht es jetzt vor allem darum, daß in der Administration nicht jener Zynismus wieder Platz greift, den Carter hatte ausmerzen wollen: Quod licet jovi, non licet bovi.

Liberale wie konservative Publizisten halten gleichwohl den Rücktritt des Budgets-Direktors für unvermeidlich, weil nicht auszuschließen ist, daß er im Falle einer strafrechtlichen Untersuchung wesentlich härtere Fragen beantworten muß als vor dem Senatsausschuß. Bis dahin indes darf sich der Präsident die Zeit für eine abgewogene und gründlichere Entscheidung nehmen. Er weiß, daß hierbei für ihn mehr als seine Freundschaft zu Lance auf der Waagschale liegt und daß er nicht nur auf den Beifall hören darf, der im Augenblick dem tüchtigen Eulenspiegel entgegenschlägt.

Jimmy Carter muß überdies bedenken – und das wird in Washington leicht übersehen –, daß sich die führungsbedürftige westliche Allianz von seinem Amtsantritt nicht zuletzt das Ende jener langen qualvollen Tage versprochen hat, in denen Amerika durch innerpolitische Affären fast bis zur Handlungsunfähigkeit gelähmt war. Präsident Coolidge konnte im Jahre 1925 noch sagen: „Die Auf gäbe. Amerikas ist es, Geschäfte zu machen.“ Der Satz hat sich längst überlebt. U. Sch.