Die letzte Auslandsreise als Wirtschaftsminister führt Friderichs in einen besonders aufnahmebereiten Markt

Von Klaus-Peter Schmid

Sie sind überall, die Männer mit dem Aktenköfferchen des Industrievertreters: in den Hotelhallen von Algier, im Flugzeug nach Constantine oder Oran, in den Vorzimmern der Ministerien, in den Fluren der großen Staatsunternehmen. Das Überraschende: Sie sprechen deutsch, und ihre Produkte „made in Germany“ finden reißenden Absatz.

Ohne großen Wirbel hat sich die deutsche Industrie in Algerien einen hochinteressanten Markt erschlossen. 1975 bestritt die Bundesrepublik zwölf Prozent der algerischen .Einfuhren und war damit (hinter Frankreich und den USA) der drittgrößte Lieferant des Landes. Für die deutsche Wirtschaft bedeutete das ein stattliches Geschäft von 1,5 Milliarden Mark; 1976 wuchs das Volumen auf 1,85 Milliarden an.

Das Geschäft mit Maschinen und Know-how deckte im vergangenen Jahr dennoch nur zwei Drittel der Ölimporte aus Algerien. Doch dahinter steht das Ergebnis eines Exportbooms, der sich sehen lassen kann. Noch 1972 hatte die deutsche Wirtschaft für lediglich 700 Millionen Mark Waren nach Algerien verkauft.

In Algier, der „weißen Stadt am Meer“, sehen die Politiker den Vormarsch der Deutschen nicht ungern. Ihr oberstes Ziel, auch für die Staatsindustrie, heißt nationale Unabhängigkeit. So mußten sie sich vor allem von dem „bisher allmächtigen französischen Partner“ (so ein deutscher Diplomat) loslösen. Spektakuläre Demonstration dieses politischen Willens: Das französische Farbfernsehsystem Secam wurde zugunsten des deutschen Pal ausgebootet.

Rund 60 zum Teil sehr potente Unternehmen aus der Bundesrepublik unterhalten heute eine ständige Vertretung in Algier. Diese Präsenz ist unentbehrlich, wenn man ins Geschäft kommen will. Der Repräsentant eines deutschen Elektrokonzerns, erteilt wohlfeilen Rat: „Man braucht vor allem eins: Zeit, Zeit und nochmals Zeit. Wenn man einen Mann für zwei, drei Tage hierher schickt, bringt das nichts. Dagegen machen alle Firmen, die hier ein paar Leute sitzen haben, ihre Geschäfte.“