„Zunächst einmal muß man laut sagen, daß wir nicht über das deutsche Volk zu richten haben. Wir haben selber ja kein so gutes Gewissen! Warum sollte das deutsche Volk immer unrecht haben? Aber wir dürfen wünschen, daß die Bonner Regierung bei ihrer schwierigen Aufgabe, nicht nur ein menschliches Leben zu wahren, sondern auch die Freiheit eines jeden Bürgers, Augenmaß bewahrt und sich nicht, wie es ihre schlimmsten Gegner wünschen, in den unversöhnlichen Zyklus von Gewalt und Unterdrückung hineinreißen läßt... Deutschland, das wissen wir sehr wohl, ist nicht ‚unmenschlich‘, wie Jean Genet behauptet; es ist im Gegenteil weich, schlaff, kulinarisch, bequem, jeglicher Ideologie fern – kurzum beinahe zu menschlich.

Jedes Verbrechen der RAF drohte alte Dämonen zu erwecken, die man vergessen glauben durfte. Aber sind wir so sicher, daß sie sich nicht auch bei uns erheben würden, wenn hier die gleichen Verbrechen begangen würden? Der Universalität des Terrors muß die Universalität der Gerechtigkeit entgegengesetzt werden. Auch wir sind ihr noch fern.“ Pierre de Boisdeffre

(Auszug aus Le Monde vom 17. September)