Von Erika Martens

Seit jeher hat es Kinderherzen begeistert: das Spiel mit dem Kaufmannsladen. Ein Pfund Zucker, Mehl oder Butter abwiegen, Geld kassieren und dem Kunden einen schönen „guten Tag“ wünschen – so sahen die kindlichen Vorstellungen vom Kaufmannsleben aus.

Wer nach der Schule tatsächlich die Ausbildung zum Verkäufer oder Einzelhandelskaufmann wählt, kommt mit solchen Kenntnissen nicht aus. Warenkunde, Lagerhaltung, Auszeichnung und Sortieren – all das gehört zu diesem Beruf. Nicht zu vergessen jene Eigenschaften, die etwa in Stellenangeboten vorwiegend gefordert werden: Geschickt im Umgang mit Kunden, gewandt und versiert – was immer das heißen mag – soll der gesuchte Verkäufer sein.

Der Umgang mit Kunden ist in der Tat nicht immer einfach. Schon im Ausbildungsplan ist deshalb ein Schnellkurs in Verkaufspsychologie vorgesehen. Gepflegt werden auch Wortschatz und Sprechfertigkeit der angehenden Verkäufer. So lernt der Auszubildende zum Beispiel, wie er den ziellos in die Regale blickenden Kunden anzusprechen hat.

Und noch etwas ist in diesem Beruf ganz wichtig: das Stehvermögen. Nicht nur für die tägliche Arbeitszeit, auch für das Weiterkommen ist Durchhalten die erste Kaufmannspflicht. Mit dieser Tugend im Gepäck kann dann allerdings aus dem Einzelhandelskaufmann schon mit 22 Jahren ein gestandener Abteilungsleiter werden, dessen Einkommen sich durchaus sehen lassen kann.

Jungen, strebsamen Schulabgängern, die nicht gerade auf den Kopf gefallen sind, würde deshalb sogar die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG), die gemeinhin von den Beschäftigten des Einzelhandels als dem „sozialen Schlußlicht unter den Arbeitnehmern“ spricht, die Ausbildung empfehlen.

Allerdings, nur zehn bis fünfzehn Prozent der insgesamt rund 1,6 Millionen Arbeitnehmer des Einzelhandels bringen es zum Ersten Verkäufer, weitere zehn Prozent gehören als Substituten oder Abteilungsleiter der kleinen Schicht der Führungskräfte an. Der gewaltige Rest – rund 75 Prozent – bleibt als einfacher Verkäufer das „Fußvolk“; und auf diese Gruppe trifft das Wort vom „sozialen Schlußlicht“ denn auch immer noch zu.