Hervorragend

Johnny Winter: "Nothin’ But The Blues" und Muddy Waters: "Hard Again". Für die Kraft, die Urwüchsigkeit und die zeitlose Faszination des Blues sind diese beiden Platten, parallel von Johnny Winter für Steve Pauls Blue Sky-Label produziert, wohl das hinreißendste Beispiel der letzten Jahre, "I’m a natural-born lover tonight" singt der 62jährige Muddy Waters mindestens mit derselben Überzeugungsgabe wie der um dreißig Jahre jüngere Albino-Gitarrist aus Texas seine erotischen Bluesverse; und die Spontaneität, mit der hier ohne viel technischen Schnickschnack musiziert wird, überträgt sich unmittelbar auf den Zuhörer. Selbst Puristen können nicht leugnen, daß hier jenseits von allem Neo-Klassizismus die Qualität der alten Aufnahmen mit Little Walter, Willie Dixon und Otis Spann erreicht wird. Nicht zuletzt deswegen, weil James Cotton an der Harmonika wieder mitspielt und Johnny Winter an der Slide-Gitarre und mit seinem "Shout"-Stil einer der gelehrigsten Schüler des großen alten Blues-Mannes ist. (Blue Sky/CBS SKY 82 141 und SKY 81 853) Franz Schöler

Sympathisch anspruchslos

"Herzlichst Ihr Franz Grothe". Mit zwölf Jahren hat er Mendelssohns Violinkonzert gespielt, dann studierte er noch Klavier und Komposition in Berlin und rangierte sich schließlich, von Paul Whiteman und George Gershwin gezogen, auf die U-Bahn der Musik. Er machte, was man unter Unterhaltungsmusik versteht, wurde zum begehrten Arrangeur, komponierte, wie das so üblich war, Operetten und schrieb die Musik zu ungefähr hundertsiebzig Tonfilmen: einer aus der sich nunmehr rasch lichtenden Generation der handwerklich und künstlerisch äußerst versierten, der "seriösen" Unterhaltungsmusikanten, die ihrem Zuhörervolk unzählige Melodien ins Ohr gesetzt haben. Einige davon – über ein halbes Hundert – spielt der mittlerweile 69jährige (mit einer sich mit Andeutungen begnügenden Rhythmusgruppe) auf diesen zwei Schallplatten. Eine Art Klavierplauderstunde von einigem Niveau, aber ohne falschen Anspruch. (Teldec 6.28417 DP) Manfred Sack