Einst lebte auf der Insel Mauritius im Indischen Ozean der Dodo, ein flugunfähiger, truthahngroßer Taubenvogel. Die ersten Europäer, die zu Beginn des 16. Jahrhunderts die Insel betraten, jagten ihn wegen seines wohlschmeckenden Fleisches und rotteten ihn in kurzer Zeit aus. Heute zeigen nur noch Zeichnungen und Skelettreste, wie der Dodo ausgesehen hat.

Zwischen den gefundenen Skelettresten lagen häufig fossile Samenkerne der tropischen Baumart Calvaria major. Auch sie war früher auf Mauritius nicht selten; heute jedoch stehen auf der ganzen 2045 Quadratkilometer großen Insel nicht mehr als dreizehn Exemplare dieses Baumes, von denen wiederum keines jünger als 300 Jahre ist. Der amerikanische Ökologe Stanley A. Temple von der Universität von Wisconsin fand jetzt einen Zusammenhang zwischen dem Aussterben des Vogels, und dem Rückgang des Baumes: Er meint in einem Bericht in der amerikanischen Wissenschaftszeitschrift Science, daß der Baum ausstirbt, weil ihm der Dodo fehlt. Der Dodo nämlich, so scheint es, war ein wichtiger Faktor in der Fortpflanzung des Baumes.

Die Samen des Calvaria-Baumes zeichnen sich gegenüber anderen Baumsamen durch eine extrem harte und dicke Schale aus, die so stabil ist, daß der Keimling sie nicht sprengen kann. Versuche, den Baum aus seinen Samen zu züchten, schlugen deshalb fehl. Temple meint nun, daß die Schale so hart sein mußte, weil der Dodo die Samen fraß. Samen, die ein Tier verspeist, werden nämlich besonders weit verbreitet – und haben daher eine bessere Überlebenschance.

Für eine Baumart ist es also günstig, seine Früchte durch Tiere verbreiten zu lassen. Die Samen müssen jedoch besonders stabil sein, damit sie den Weg durch das Verdauungssystem unbeschädigt überstehen. Besonders hohe Anforderungen stellen dabei Vogelmägen. Viele Vögel, zum Beispiel die Hühner, nehmen zusätzlich zur Nahrung Steinchen auf, die im Magen bleiben und dort helfen, Körner und Samen zu zermahlen. Solche Magensteine fanden Forscher in Saurierskeletten ebenso wie bei Dodo-Überresten.

Temple schließt daraus, daß die Samenschale des Calvaria-Baumes in einem Evolutionsprozeß genau so dick wurde, um im Dodomagen nicht zerrieben, sondern gerade so weit angegriffen zu werden, um dem Keimling nach dem Ausscheiden des Samens das Durchbrechen der Hülle zu ermöglichen. Zur Untermauerung seiner These fütterte Temple einigen Truthähnen Calvaria-Samen. Erfolg: Nach dieser Behandlung mit Magensteinen und Verdauungssäften begannen drei der Kerne zu keimen. Wahrscheinlich sind dies die ersten keimenden Calvaria-Samen seit dreihundert Jahren. Rainer Köthe

Gegen den Mißbrauch der Psychiatrie als Hilfsmittel zur politischen Unterdrückung protestierten Ärzte aus vielen Ländern unlängst beim Weltkongreß der Psychiatrie auf Hawaii (die ZEIT berichtete darüber in Nummer 35/1977 auf Seite 16 mit dem Bericht zweier britischer Wissenschaftler: „Wie Abweichler zu Irren gestempelt werden“). Die Aktion der Psychiater richtet sich nicht nur gegen die Behandlung von Dissidenten in der Sowjetunion. Auch die Verfolgung von Psychiatern in Argentinien, die in Opposition zur Regierung, stehen, und die Zwangseinweisung von farbigen Südafrikanern in sogenannte Sanatorien werden von den engagierten Medizinern angeprangert. In der Bundesrepublik verurteilte der Vorstand der „Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Neurologie“ schon im Dezember 1972 solche unsauberen Praktiken. Und seit Anfang dieses Jahres hat sich eine inzwischen etwa 50 Köpfe starke Gruppe von Ärzten und anderen Bürgern zur „Deutschen Vereinigung gegen politischen Mißbrauch der Psychiatrie“ zusammengeschlossen.

Die Nase eines trainierten Hundes ist hochgezüchteten und teuren Meßgeräten überlegen, wenn es gilt, Lecks in Gasleitungen zu orten. Untersuchungen des amerikanischen Psychologen Charles S. Feldstone zeigten, Saß der Einsatz von Hunden nicht nur billiger ist, sondern zusätzliche Vorteile bietet. In unserer mit Kohlenwasserstoffen aller Art und Herkunft belasteten Umwelt vermag ein Hund den Geruch des Gases von allen anderen Gerüchen zu unterscheiden – und zwar mit einer höheren Empfindlichkeit als die besten technischen Detektoren. Seine Nase erlaubt ihm, schon aus einer Entfernung von mehreren Metern eine unterirdische Leckage wahrzunehmen und selbständig zu finden. Vielleicht werden schon bald zwei- und vierbeinige Lecksucher gemeinsam die Leitungen abgehen.