Es sollte der Startschuß zu einer gesamteuropäischen Informationsexplosion sein, doch es blieb bei der Explosion. Um 19.32 Uhr Ortszeit, Dienstag letzter Woche, zerstob der Traum der europäischen Weltraumbehörde ESA 63 Sekunden nach dem Start und elf Kilometer über Cape Canaveral: Die amerikanische Delta-Trägerrakete zerbarst, und mit ihr der Experimentalsatellit OTS, der als Orbital Test Satellite den Weg zum anspruchsvollen gesamteuropäischen Weltraumfunk- und -fernsehnetz der 80er und 90er Jahre erkunden sollte. Maßlos enttäuschte Raumfahrt-Europäer vermuteten Schludrigkeit bei ihren amerikanischen Partnern, die Basler Zeitung witterte gar Sabotage: Wollten die USA ihre Konkurrenz beim lukrativen Weltraumgeschäft mit Nachrichtensatelliten mit schmutzigen Tricks ausbooten? Wohl kaum. Ein Verdacht freilich bleibt: Nach einem Bolzenbruch an einer Triebwerkshalterung am 18. Mai mußte die erste Raketenstufe ausgewechselt und der Start von Juni auf September verschoben werden. Hätten die Amerikaner ihre sonst recht zuverlässige Delta-Trägerrakete nach solch einer schwerwiegenden Strukturänderung erst einmal probehalber ohne bezahlte Nutzlast starten lassen sollen? GH