Beachtlich

„Trans-Amerika-Expreß“ von Arthur Hiller. Ein Eisenbahn-Krimi, offensichtlich inspiriert von Hitchcocks „The Lady Vanishes“ und „Der unsichtbare Dritte“. Während einer Fahrt im Luxus-Zug „Silver Streak“ (so auch der Originaltitel) gerät ein harmloser Verleger (Gene Wilder), zufällig in eine haarsträubende Mord-Intrige, findet die Frau seines Lebens und entkommt knapp einer Katastrophe, der der Hauptbahnhof von Chikago zum Opfer fällt. Die attraktive Melange aus Thriller und romanischer Komödie hat der Regisseur von „Love Story“ und „Hospital“ in seiner bislang besten Arbeit mit souveräner, unangestrengter – Ironie inszeniert: ein angenehm altmodisches Vergnügen ohne die Hysterie des gängigen Katastrophen-Kinos.

Hans C. Blumenberg

Mittelmäßig

„Cousin, Cousine“ von Jean-Charles Tacchella. Für die zahlreiche Verwandschaft ist der Fall schon lange klar: Marthe (Marie-Christine Barrault) hat ein Verhältnis mit Vetter Ludovic (Victor Lanoux), und auch die jeweiligen legalen Partner der beiden können nur noch mühsam ihre Fassung bewahren, als das heitere Paar sich just am Weihnachtsabend der langweiligen Familienfeier durch gemeinsame Flucht ins schwiegerelterliche Schlafzimmer entzieht Mit Charme und Witz verfolgt der Film die Stationen des gemeinsamen Entschlusses von Marthe und Ludovic, ihr platonisches Verhältnis in ein handfestes Liebeswochenende in einem dubiosen Hotel umzusetzen und schließlich die angetrauten Ehepartner nebst Kindern endgültig zu verlassen. Dieser Film war 1976 der ausländische Hit in New York und spielte in den USA in zwanzig. Wochen vier Millionen Dollar ein. Auch bei uns wird der Kassenerfolg nicht ausbleiben, denn Regisseur Tacchella macht es sich und dem Zuschauer leicht. Anders als etwa bei Bergman, Chabrol oder Thome werden hier die Probleme einer Liebes- und Ehebeziehung nicht komplexen und ernsthaften Analysen ausgesetzt, sondern es regiert fröhlich-unverbindlicher Eskapismus: Flucht statt Auseinandersetzung. Und was auf den ersten Blick nach unbekümmertem Bruch mit Konventionen ausschaut, entpuppt sich letztlich als unterhaltsam-nichtssagende Traumfabrik alten Stils Bodo Fründt

„Killerladys“ von Hubert Cornfield, dem Regisseur einiger eindrucksvoller amerikanischer B-Filme („Ein Toter ruft an“, 1959), der nach langer Pause („Am Abend des folgenden Tages“, 1968) seinen Comeback-Film 1975 in Frankreich drehte. In „Les Grands Moyens“ (so der Originaltitel) versucht Cornfield, die Gepflogenheiten korsischer Blutrache im Stil des schwarzen Humors britischer Kriminalkomödien zu persiflieren. Drei rüstige Omas greifen zur Handgranate und zum Holzhammer, um im Verfolg familiärer Vendetta einer Gangstertruppe den Garaus zu machen. Trotz manch amüsanter Details bleibt es leider nur ein anglo-französischer Kombinationsversuch, der sich nie so recht zwischen bösartiger Karikatur und liebevoller Milieubeschreibung, zwischen Parodistischem und Pittoreskem entscheiden kann. In untertitelter Originalfassung in den Programmkinos. Helmut W. Banz

Empfehlenswerte Filme

„Drei Frauen“ von Robert Altman (siehe S. 48). „The Late Show – Die Katze kennt den Mörder“ von Robert Benton (siehe S. 48). „Der Mädchenkrieg“ von Alf Brustellin und Bernhard Sinkel. „Die Schwestern des Bösen“ von Brian De Palma. „Eine Nacht in Casablanca“ von Archie L. Mayo. „Nordwestwind“ von Jacques Rivette. „Jonas, der im Jahr 2000 25 Jahre alt sein wird“ von Alain Tanner.