Trotz der hohen Milliarden-Subventionen ist Ruhrkohle fast doppelt so teuer

Sie werden verniedlichend Vorräte oder Halden genannt. Doch längst sind es mittlere Gebirge: über 30 Millionen Tonnen Steinkohle im Wert von 4,5 Milliarden Mark türmen sich an den Schächten im Ruhrgebiet und im Saarland auf – fast ein Drittel der jährlichen Förderung. Da scheint es wie ein Witz, daß die deutsche Einheitsgesellschaft, die Ruhrkohle AG, sich kürzlich in eine Grube in Australien eingekauft hat, nachdem sie bereits seit Jahren in den Vereinigten Staaten fünf Gruben besitzt und in Kanada Explorationen betreibt.

Was so widersinnig klingt, ist es aber bei näherer Betrachtung durchaus nicht. Die Auslandsaktivitäten sind vielmehr wirtschaftlich vernünftige Taten einer Branche, in der seit Jahrzehnten politische und emotionelle Gründe für Entscheidungen bestimmend sind – was sie auch immer kosten.

Und die deutsche Kohle kostet viel: die Steuerzahler, die Kohlekäufer und die Strombezieher. „Man muß sich darüber klar sein“, so räumt denn auch der Vorstandsvorsitzende der Ruhrkohle AG, Karlheinz Bund, ein, „daß der Vorteil einer Förderung im Land seinen Preis hat.“

Während eine Tonne Ruhrkohle nach den Listenpreisen rund 150 Mark kostet, muß beispielsweise für die im Tagebau gewonnene australisch; Kohle einschließlich Transport nicht einmal die Hälfte gezahlt werden. Dabei ist der deutsch: Kohlepreis mit direkten und indirekten Subventionen bereits verbilligt. 2,8 Milliarden Mark wurden nach Angaben des Vereins Deutscher Kohleimporteure allein 1976 gezahlt. Davon entfielen 1,4 Milliarden auf direkte Zuschüsse wie Stillegungs- und Strukturhilfen sowie Absatzhilfen, 173 Millionen auf Steuervergünstigungen und 1,26 Milliarden Mark auf den sogenannten Kohlepfennig nach dem Verstromungsgesetz, den letztlich die Strombezieher zahlen müssen.

Mit dieser „Pfennigabgabe“ soll aus „versorgungs-, struktur- und besonders beschäftigungspolitischen Gesichtspunkten“ sichergestellt werden, daß in den Kraftwerken nicht allein billigeres Öl oder Gas, sondern auch aus deutschen Bergwerken stammende Steinkohle verfeuert wird. Das führt sogar so weit, daß holländische Gasgesellschaften dafür bezahlt werden, daß sie nicht liefern.

Den hohen Kohlepreis, der sich vor allem aus den schwierigen geologischen Verhältnissen in Deutschland erklärt, werden Steuerzahler und Stromverbraucher auch in Zukunft kräftig subventionieren müssen. Nach einem vom Gesamtverband des Steinkohlenbergbaus und der Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke kürzlich abgeschlossenen Vertrag werden die Stromerzeuger von 1978 bis 1987 mindestens 250 Millionen Tonnen deutscher Steinkohle im Wert von 40 Milliarden Mark beziehen – und nicht einmal das bezahlen, was dem Bergbau an Förderkosten entsteht. Für zwei Drittel der Lieferung wird der Kohlepreis auf der Basis des Preises für schweres Heizöl berechnet. Für die restliche Menge muß lediglich die Hälfte des vom Wirtschaftsministerium festgestellten Preises für Kraftwerkskohle gezahlt werden.