In der Union paßt nichts mehr zusammen

Von Carl-Christian Kaiser

Bonn, im September

Die CDU müht sich an diesem Wochenende in Berlin um den Entwurf ihres ersten Grundsatzprogramms. Zur gleichen Zeit wird sich die CSU auf ihrem Münchner Parteitag voll der Aktualität zuwenden. Fürchtet die CDU insgeheim, daß ihr Berliner Forum durch neue dramatische Entwicklungen im Fall Schleyer in den Schatten geraten könnte, so ist es der CSU nur recht, daß das Terroristenthema im Vordergrund steht. Die CDU will mit Vertretern verschiedener gesellschaftlicher Gruppen über christlich-demokratische Leitbilder diskutieren. Die CSU hat Fragen gestellt, die sich von selber beantworten. „Freiheit, Recht und Ordnung oder Unsicherheit, Angst und Terror?“ heißt das Motto für einen der Münchner Arbeitskreise.

Es ist ein Zufall, daß beide Treffen zum selben Datum stattfinden. Aber daß sie nach Zuschnitt und Thematik so weit auseinandergehen, kommt nicht von ungefähr. Und symptomatisch erscheint, daß Helmut Kohl, dem Grundsätzliches so sehr am Herzen liegt, dem Berliner Kongreß nur einen knappen Tag widmen kann, weil er dann nach München eilen muß, um der bayerischen Schwesterpartei seine rhetorische Aufwartung zu machen.

Pflege des Zusammenhalts

Nicht, daß der CDU-Chef gezwungen wäre, die Bayern und vor allem den obersten Bayern, Franz Josef Strauß, zu hofieren. Nach dem Schisma von Kreuth und seiner vorläufigen Überwindung ist der Haussegen der Union wieder halbwegs im Lot. Aber der Zusammenhalt will gepflegt sein, auch durch Gesten wie den Münchner Auftritt Kohls. Und eine gemeinsame Linie muß von Mal zu Mal gefunden werden.