Zur „Sicherung von Arbeitsplätzen“ muß sich das Reiseunternehmen an NUR anlehnen

Große Unruhe, herrscht derzeit unter den bundesdeutschen Touristikunternehmen. Nachdem diese Branche jahrelang nur mit traumhaften Umsatzsteigerungen von sich reden machte, kömmt sie nun auf ganz andere Weise ins Gerede, Die Marktführer formieren sich immer mehr zu Blöcken, um für die Stagnationsphase nach der sogenannten „Goldgräberzeit“ entsprechend gerüstet zu sein. Die neueste Gruppierung dieser Art bahnt sich jetzt in Frankfurt an.

Am Verhandlungstisch sitzen derzeit zwei der umsatzstärksten Reiseveranstalter Deutschlands, nämlich „Neckermann und Reisen“ (NUR) und „gut-Reisen“. Thema der Gespräche ist die Suche nach Möglichkeiten zur engeren Zusammenarbeit in der Zukunft. Wie eng diese Kooperation allerdings werden soll, darüber wird bislang noch strenges Stillschweigen bewahrt Insider vermuten jedoch, daß es bereits um konkrete Verkaufssummen geht. Immerhin erklärte Klaus Frank, Geschäftsführer von „gut-Reisen“, gegenüber der ZEIT: „Wenn Gespräche geführt werden, weiß man nie, wie sie ausgehen. Ich würde nicht ausschließen, daß es zu einer Fusion kommt.“

Diese Lösung wäre für „gut“ zweifellos die sympathischste. Seit Gründung im Jahr 1969 könnte das von den Gewerkschaften finanzierte Unternehmen nämlich am Markt nie so recht Fuß fassen. Zwar stiegen die Buchungszahlen kontinuierlich, aber Gewinne konnten nicht erzielt werden, Einzige Ausnahme: 1975, im Rekordjahr des deutschen Tourismus.

Ganz anders dagegen die Situation beim Gesprächspartner NUR. Mit rund 800 000 Buchungen im laufenden Geschäftsjahr halten die Frankfurter klar den zweiten Platz hinter dem Marktführer Touristik Union International (TUI). Der Spitzenreiter TUI vereinigt die Firmen Scharnow, Touropa, Dr. Tigges, Transeuropa, twentours, Hummel und Airtours unter einem Dach.

Durch den Verkauf der Neckermann-Gruppe an Kapstadt dürfte NUR nun die finanzielle Basis haben, um dem Branchenführer TUI noch härter zuzusetzen. Bereits in der Vergangenheit haben NUR und „gut“ eng zusammengearbeitet. Sie betreiben beispielsweise bereits eine gemeinsame Flugleitstelle, über die alle Flugprogramme abgewickelt werden, und sind über eine gemeinsame Tochtergesellschaft verbunden, die mit großem Erfolg ABC-Charterflüge durchführt.

Sollte es nun tatsächlich zu einer Fusion kommen, so dürfte sich auf dem deutschen Reisemarkt eine völlig neue Konstellation ergeben, die den Wettbewerb vor allem für die kleineren Unternehmen weiter verschärfen würde. Neben den beiden großen Blöcken TUI und NUR/gut wird es dann nämlich auch ein anderer großer Reiseveranstalter schwer haben, seine Marktanteile zu sichern, die ITS-Gruppe der Kaufhausketten Hertie und Kaufhof, die in diesem Geschäftsjahr weit vor „gut“ liegen.