Es ist wie bei Bankeinbrüchen: Die Versicherung zahlt. Nein, es ist schlimmer: Wir kommen mit unseren Satelliten in Verzug, wir Europäer. Aber das Schlimmste: wir verlieren das Vertrauen in die Amerikaner. Denn sie haben es ja nicht geschafft, diesen unseren ersten europäischen Fernseh- und Fernspruch-Satelliten in den Weltraum zu schicken. Die amerikanische Trägerrakete Delta 39 14 startete schief in Cape Canaveral und explodierte eine Minute später. Unser O. T. S. (Orbital Test Satellite), das kostbare Stück, dieses feine Erzeugnis unseres kleinen Kontinents, liegt jetzt 20 Meter tief im Atlantik vor der Küste Floridas.

Nun mögen wir uns an das Jahr 1973 erinnern und die Rakete „Europa II“, deren drei Etagen aus dreierlei Herkunftsländern kamen, aus Deutschland, Frankreich, England. Sie platzte. Armes Europa!

Viel jüngeren Datums ist eine andere Erinnerung: Als wir Europäer unseren wissenschaftlichen Satelliten „Gees“ fertig hatten, baten wir die Amerikaner, ihn auf die Bahn zu setzen: April 1977. Aber ihre „Thor-Delta“ war kein zuverlässiges Transportmittel Sie hat die rechte Bahn für „Geos“ verpaßt. Heute, beim zweiten amerikanischen Versagen, mahnt Roy Gibson, der Direktor der ESA, der neuen Europäischen Weltraum Organisation, der Plan einer eigenen Rakete sollte wieder vorangetrieben werden; ein Kind, das schon einen Namen hat, Ariane. Diesem Kinde würden wir den Namen Lieschen entgegensetzen: Wir, ein Satellitenschießverein, den es erst zu gründen gilt, aber schnell, aber dalli!

Wiederholen wir, um uns klarzuwerden, daß in diesem Falle die großen, superstaatlichen Organisationen nichts zustande bringen, kurz die Situation: Eine Dreierrakete aus unseren Breiten machte schlapp. Die amerikanischen Raketen hingegen sind zwar geeignet, Menschen auf den Mond zu schießen, aber ungeeignet für den Transport europäischer Apparate. Was tun?

Wir könnten uns ja an die Russen wenden mit der Bitte um freundlichen Satelliten-Schuß. Aber das würde die Amerikaner ärgern und sie darin bestärken, den Weltraum mit ihren eigenen Fernseh- und Telephonzentralen zu spicken, so daß für uns kein Platz mehr bliebe und wir höchstens als Untermieter ihrer Satelliten noch in Frage kämen. Es bleibt uns also eine einzige Zuflucht: Das fleißige Lieschen.

Wenn wir diese eilige Sache selber und als Privatunternehmen anpacken, so muß es ja nicht Peenemünde sein. Die Lüneburger Heide genügt. Wir würden klein anfangen und erst einmal Wetter-Satellitchen hochjagen und dergleichen. Das Renommee der deutschen Qualitätsarbeit würde sich rasch wiederherstellen, und so würden wir bald ganze Fernsehtürme, ganze Telephonämter auf die Bahn bringen, würden für alle arbeiten, gegen Geld natürlich, für die Amerikaner, für die Russen, für die Europäer und die Liechtensteiner; am liebsten natürlich für uns Deutsche.

Noch etwelche Fragen?