Heute schon kommt keine Darstellung des Falles meines Kollegen Peymann ohne die Einleitung „Es mag politisch naiv und ungeschickt gewesen sein, daß –“ aus. Damit wird uns eine politische Unzurechnungsfähigkeit bescheinigt, die der Bezeichnung Pinscher durch Herrn Erhard selig nahekommt; Mit dem Unterschied allerdings, daß diese Äußerung damals einen Sturm der Empörung auslöst! Natürlich gibt; wer sich exponiert, eine Zielscheibe ab. Das weiß man doch. Was soll denn daran naiv sein? Noch vor zehn Jahren exponierte sich, wer politisch nicht so lautstark engagiert war, wie es der Zeitgeist aus dem Mund eifriger Journalisten forderte. Kein Künstler und kein Intellektueller war links genug, um nicht doch ein liberaler Scheißer zu sein. Wer heute nur vorsichtig auf die Widersprüche unserer Gesellschaft hinweist und ausspricht, was man nur denken darf, gilt als „politisch naiv“.

Volker Schlöndorff, des „Sympathisantentums“ verdächtigter Filmregisseur, in einem Leserbrief an die „Süddeutsche Zeitung“

Arnold Bode

In einem rhapsodischen Text zum Katalog der documenta 6 hatte Arnold Bode die 6 documentas gefeiert und die 7., zukünftige, begrüßt: „Ja, ich träume, daß ich dann noch als Zuschauer dabei sein kann!“ Jetzt ist er in Kassel gestorben, im Alter von 76 Jahren, wenige Stunden nach Schluß der documenta 6. Arnold Bode, der 1955 zu den Erfindern der documenta gehörte und über mehr als 20 Jahre hinweg wesentlich dazu beitrug, daß diese Veranstaltung zur wichtigsten internationalen Ausstellung zeitgenössischer Kunst wurde, war Architekt, Maler, Lehrer an der Kasseler Hochschule für Bildende Künste, und er war ein Optimist. Den konstanten Vater der documenta wollten, wie das so üblich ist, die wechselnden Söhne gelegentlich austricksen, in die Pensionärsecke drängen, was ihnen deshalb nicht gelang, weil Bode sie alle übertraf an Mobilität, Temperament, Mut. Er war hartnäckig, aber mit Schläue. Immer wieder versuchte er, seine geliebte „documenta urbana“, das Kasseler Totalerlebnis, durchzusetzen, immer wieder machte ihn das Scheitern des Planes nicht resigniert, sondern neu aktiv. Wenn die documenta, deren 7. Auflage 1982 stattfinden soll, etwas nötig haben wird, dann sind es die Qualitäten, die ein umtriebiger, besessener, konsequenter Mann wie Arnold Bode ihr einmal eingebracht hatte.

Gegendarstellung

„Die Zeit“ Nr. 40 v. 23. 9. 1977 berichtet in einer von Herrn Professor Dr. Fritz J. Raddatz verfaßten Veröffentlichung über den Wallraff-Film unter der Überschrift „Was die Deutschen nicht sehen durften: ‚Bild‘-Reporter Wallraff“:

„Keine einzige Szene ist gestellt. Vielmehr hat das Team Wallraff und seine Kollegen bei der Arbeit – und das heißt zu guten Teilen bei der Fälscher-Arbeit – gefilmt. Es wird etwa bis ins Detail die Entstehung einer Bild-Story nicht im nachhinein, sondern genau während dieses Entstehungsprozesses festgehalten: Das Umtrimmen einer jungen Frau, die als sportliche Freizeitbetätigung Karate lernt. Aus ihr wird binnen kürzester Frist unter den Händen der Bild-Kosmetiker eine blonde, kornblumenäugige Fee mit Totschlägereigenschaften. Sie beteuert in allen Recherchiergesprächen, daß sie weder willens noch in der Lage ist, mittels Karate zu töten, und daß sie auch nie Opfer eines Vergewaltigungsversuchs war. Bei Bild liest sich das dann genau umgekehrt.“