Von Heribert v. Koerber

Die Chefärzte der großen Frauenkliniken haben die Kreißsäle mit soviel Technik ausgestattet, daß sie heute Weltraumlaboratorien ähnlich sind. Für die Sicherheit von Mutter und Kind ist nichts zu teuer. Aber der technische Aufwand schafft auch psychologische Probleme. Viele Frauen begreifen nicht die Notwendigkeit der Technik, zumal sie selbst auf sehr viel einfachere Weise zur Welt gekommen sind.

Notfallsituation im Kreißsaal! Das Baby ist in Gefahr. Aber es liegt im Mutterleib wie im Bett einer Intensivstation, überwacht von Monitoren, die sofort Alarm geben, wenn das kleine Herz nicht im richtigen Rhythmus schlägt. Beängstigend akut ist die Situation deshalb nicht. Herzrhythmus- und Wehenschreiber registrieren die drohende Veränderung so früh, daß alle Vorbereitungen für den Kaiserschnitt in einer ruhigen und entspannten Atmosphäre getroffen werden können. Dazu gehört die Information der Mutter durch den Geburtshelfer, der in den großen Kliniken immer ein Frauenarzt ist:

„Frau Rosenthal, die Herztonkurve Ihres Babys ist nicht ganz in Ordnung. Die Verschmälerung deutet auf einen Sauerstoffmangel hin. Wir müssen bei Ihrem Baby eine Mikroblutuntersuchung machen, um aus dem Säuregrad festzustellen, ob sein Blut genügend Sauerstoff enthält.“

„Ist das gefährlich?“ fragt die Frau. Der Arzt: „Nein, wir machen einen kleinen Schnitt in den Kopf des Kindes und entnehmen mit dem Blasröhrchen wenige Tropfen Blut.“

Als kurz darauf das Ergebnis der Blutuntersuchung vorliegt, erklärt der Arzt: „Die Werte Ihres Kindes sind einigermaßen, aber nicht so, daß wir Ihnen, besser gesagt, Ihrem Kind eine lange Geburt zumuten können. Wir sollten daran denken, das Kind durch Kaiserschnitt herauszuholen. Das ist kein Problem für Sie. Und für das Kind ist es das Sicherste. Wir machen die Narkose so, daß Sie nichts spüren und Sie können dabei wach sein.“ Frau Rosenthal: „Kann da auch nichts passieren?“ Der Arzt: „Sicher nicht. Deshalb tun wir es ja, damit Ihr Kind ganz ungeschädigt zur Welt kommt. Bei der Herzfrequenzkurve, die Sie auf dem Monitor sehen, hält das Kind wahrscheinlich keine Belastungen durch Weisen Bild Geburtsarbeit aus. Sind Sie mit dem Kaiserschnitt einverstanden?“

Frau Rosenthal gibt ihr Einverständnis, der im Kreißsaal anwesende Mann auch. Sie möchte, daß er dabeibleibt. Der Arzt erlaubt es. Im Operationssaal erleben die Eheleute Rosenthal, wie ihr Baby herausgeholt wird. Sie sehen es sofort. Sie erleben das Abnabeln und hören den ersten Schrei. Frau Rosenthal ist vollkommen schmerzfrei und hellwach wie bei einer normalen Geburt. Anschließend führt der Kinderarzt die Neugeborenen-Erstuntersuchung durch und teilt das Ergebnis den Eltern mit.